Lange vor seinem Tod in diesem Jahr galt Muhammad Ali als der Nenner, auf den sich alle einigen konnten. Spätestens seit er mit zitternden Händen (Parkinson) 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta (USA) als US-Repräsentant auftrat. Das war in der Präsidentschaft Bill Clintons.
Mich hat das stutzig gemacht.
Ich kannte Cassius Clay, wie er damals noch hieß, als großartigen Boxer seit 1960, als er in Rom Olympiasieger im Halbschwergewicht wurde. Schon damals verkörperte er die Schnelligkeit und Eleganz des Boxens perfekt. Leider verstehen die meisten Menschen zu wenig vom Boxen, das im übrigen tatsächlich vor allem eine Geschichte des Betrugs, der Täuschung, der faulen Absprachen (mit einem Wort: der Korruption) ist.
Bei Muhammad Ali, wie er sich seit 1964 nannte, müssen wir vor allem den Zusammenhang zwischen dem betrachten, was im Ring geschah und was außerhalb. Beides steht bei ihm in einem unlösbaren Zusammenhang. Clay trat neben dem Boxen als Dichter und PR-Mann hervor („Fliege wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.“).
Die beiden schnellen Ko-Siege 1964 über den seinerzeit für unschlagbar gehaltenen Sonny Liston standen noch im Verdacht der Bestechung. Aber Ali zeigte bald in seinem unnachahmlichen Kampfstil, dass er ein wahrer Weltmeister war. Ich hatte meinen boxerischen Verstand an den drei Kämpfen zwischen Sugar Ray Robinson und Gene Fullmer Mitte der fünfziger Jahre geschult und bei der Armee selbst im Schwergewicht (ab 82 kg) geboxt.
Ali verweigerte 1967 den Wehrdienst mit den berühmten Worten, er werde „nicht 10.000 Meilen von zu Hause entfernt helfen, eine andere arme Nation zu ermorden und niederzubrennen, nur um die Vorherrschaft weißer Sklavenherren über die dunkleren Völker der Welt sichern zu helfen“. Wir überlegen, ob und wie weit dieser Satz heute (2016) noch gilt. Alis Haltung resultierte aus seiner Mitgliedschaft bei der Nation of Islam seit 1964 unter der Führung von Elijah Muhammad. Er wurde der prominenteste Mitstreiter von Malcom X und den radikalen Black Muslims. Diese sind Vorläufer der fundamentalistischen Moslem-Gruppen auf der ganzen Welt.
Das gefiel mir schon damals nicht.
Muhammad Ali war drei Jahre als Boxer gesperrt und kam 1970 in den Ring zurück. 1971 verlor er den legendären Weltmeisterschaftskampf gegen Joe Frazier über fünfzehn Runden nach Punkten. Frazier, der erheblich kleiner als Ali war, brillierte durch seine konsequente Angriffsführung. Er konnte fast nur auf der „Innenbahn“ agieren und musste dabei angesichts von Alis Reichweite sehr beweglich vorgehen. Gesundheitlich könnte ihm der Kampf nicht förderlich gewesen sein. M.E. war dies einer der sportlich maßgebenden Kämpfe der Boxgeschichte.
1974 boxte Ali aus Steuergründen im Kongo des Diktators Mobutu gegen George Foreman um den Weltmeistertitel. Es wurde der berüchtigte „Rumble in the Jungle“ (im Netz zugänglich), den Ali gewann. Allerdings musste er sehr viele schwere Treffer des schlagstarken Forman einstecken. Der Kampf riss Schriftsteller wie
Norman Mailer und Joyce Carol Oates
in Essays zur Begeisterung hin. Ali war endgültig zur Legende geworden.
1975 gab es den dritten Kampf gegen Joe Frazier, den „Thrilla in Manila“. Ali gewann durch Aufgabe Fraziers in der 14. Runde. Viele Experten meinen, dass dieser Kampf, den viele als Schlacht bezeichneten, das Leben beider Boxer nachhaltig verändert habe. Ali sagte nach dem Kampf, er habe sich noch nie dem Tode so nah gefühlt.
Danach gab es das insgesamt unwürdige Schauspiel einiger Kämpfe aus Geschäftsgründen. Bis 1981. Da war Ali 39 Jahre alt. 1984 wurde bei ihm Parkinson diagnostiziert, der seither sein Leben bestimmte. 1975 war Ali aus der Nation of Islam ausgetreten und hatte sich dem sunnitischen Islam zugewandt. Er wurde bürgerlich, milde, angepasst.
Präsident Obama würdigte Ali bei seinem Tod als einen „Mann, der für das gekämpft hat, was richtig war. Er hat für uns gekämpft.“ Ex-Präsident Bill Clinton erklärte: „Hillary und ich sind tieftraurig.“ Und Donald Trump nannte Ali einen „wahrhaft großen Champion und wunderbaren Kerl“ (Bernd Pickert, taz 6.6.16).
Ist das alles nur Propaganda ?
Und wie sieht es mit der Sklavenherrschaft der weißen Herren über die dunkleren Völker der Welt heute aus ?