Gero von Randow („Die Zeit“ 17.6.) fürchtet um die französisch-deutschen Gemeinsamkeiten. Er beklagt, dass Deutschland und Frankreich in der schweren Wirtschaftskrise nicht mehr gemeinsame Politik betrieben. Den Grund sieht er in den unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Konzepten. „Deutschland, Exportnation mit eingespielten Sozialpartnern, will den Tiger der Globalisierung reiten. Es muss sich daher unausgesetzt reformieren. Frankreichs Wirtschaft hingegen beruht, von ein paar Großfirmen abgesehen, überwiegend auf staatlich vermitteltem Konsum im eigenen Lande. Die Allgegenwart des zentralistischen Staates macht ihn zugleich zum Adressaten sämtlicher Ansprüche im Land. Weshalb Reformieren schwerer und Schuldenmachen leichter fällt als diesseits des Rheins.“ Der französische Präsident verlange von Deutschland im Grunde, mehr Schulden zu machen. Die Deutschen konsumierten zu wenig und exportierten zu viel.
Für von Randow droht der Verlust der von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer, Valéry Giscard d’Estaing und Helmut Schmidt, Francois Mitterand und Helmut Kohl geprägten französisch-deutschen Symbolwelt. Dabei verfügten Deutschland und Frankreich über die Hälfte des Reichtums der EU, beheimateten ein Drittel ihrer Bevölkerung und hielten 31 Prozent der Stimmen im Europäischen Rat. Ohne deutsch-französische Führung verwahrlosten die europäische Sicherheitspolitik, seine Energie- und Klimapolitik. Mögliche Folge sei die Dominanz von den USA und China. Falls Europa nicht gestärkt werde, bleibe Deutschland zwar ein Schwergewicht auf dem Kontinent, werde in der Welt aber ein paar Nummern kleiner. „Frankreich gar, das sich so dringend für die Globalisierung öffnen müsste, stünde ohne Europa unmittelbar vor der Gefahr seiner Verzwergung.“
Claire Demesgay (SZ 17.6.) sieht es so, dass sich Deutschland gegenwärtig wieder wie schon bei der Ablehnung der Mittelmeerunion gegen Frankreich durchgesetzt habe. Eine europäische Wirtschaftregierung gäbe es eben nicht. „Über den deutsch-französischen Austausch hinaus ist es Berlin in den letzten Wochen gelungen, in vielen EU-Staaten einen strengen Sparkurs durchzusetzen und somit europaweit eine seiner grundlegenden Forderungen umzusetzen. In dieser Hinsicht ist Europa ‚deutscher‘ geworden.“ Frankreich projiziere sein Wirtschaftsmodell ebenso auf die gesamte EU. Hier gälte der Primat der Politik. „Während Deutschland auf den Export setzt, ist das französische Wirtschaftsmodell konsumorientiert: …“ Auch für Demesgay sind die Probleme nicht gelöst. „Durch die Weiterentwicklung der Krise und insbesondere die Verschärfung der Situation in Spanien könnte der Streit bald wieder aufflammen.“