327: Allianz-Arena in München – vorbildlich geplant und gebaut

Angesichts der vielen wirtschaftlichen Katastrophen bei öffentlichen Bauprojekten interviewt Artur Lebedew in der SZ (10.1.2013) den vielfach ausgezeichneten Architekten und Stadtplaner Albert Speer, den Sohn des berüchtigten NS-Rüstungsministers Albert Speer.

SZ: Herr Speer, wer ist für die Fehler bei Großprojekten verantwortlich?

Speer: Die größten Fehler werden am Anfang gemacht.

SZ: Welche?

Speer: Am Anfang von großen Projekten ist nicht genug Zeit und Geld da, um die wirtschaftlichen, ökologischen und gestalterischen Aspekte der Arbeit zu durchdenken und Alternativen zu prüfen. Meistens startet die Politik in ein Großprojekt, ohne es intensiv und intelligent studiert zu haben. Das Projekt beginnt lange vor der eigentlichen Bauphase. Die Planung kostet viel Zeit und Geld. Aber genau deshalb will sie auch niemand finanzieren. Deshalb sind viele große Projekte von vornherein bereits zum Scheitern verurteilt, schon bevor es auf der Baustelle losgeht.

SZ: Wenn die Planung so wichtig ist, warum ist sie dann häufig so schlecht?

Speer: In der Anfangsphase ist es wie mit dem Verliebtsein. Da sieht man alles rosig. Die negativen Seiten will man nicht sehen. …

SZ: Und in Deutschland siegt immer die Bürokratie?

Speer: Es ist sicher richtig, dass bei dem Bau des neuen Flughafens in Berlin die Beteiligung der Öffentlichkeit und die Informationspolitik sehr schlecht liefen. Aber die Probleme haben wesentlich mit den Organisationsstrukturen zu tun. In Deutschland haben wir sehr unterschiedliche Zuständigkeiten. Beim neuen Berliner Flughafen sind die Stadt Berlin, das Land Brandenburg und die unterschiedlichen Kreise involviert. Und sie alle werden von vornherein nicht genügend koordiniert und organisiert.

SZ: Wäre eine nationale Kontrollinstanz, die Großprojekte unabhängig beraten soll, besser?

Speer: Nein. Jedes der Projekte ist ein Einzelstück. Überall sind die Strukturen anders. Ein Projekt muss aus seiner spezifischen Situation heraus besser organisiert und von einer unabhängigen Instanz kontrolliert werden.

SZ: Sind Ihnen deutsche Großprojekte bekannt, die nach Plan gebaut wurden?

Speer: Ein Beispiel, bei dem ich dabei war, war der Bau der Allianz-Arena in München. Dort haben die beiden Vereine FC Bayern München und 1860 München darauf bestanden, dass ein unabhängiges Kompetenzteam, bestehend aus einem der besten Rechtsanwaltbüros in München, aus Architekten und Fachleuten, das Projekt vom Anfang bis zur Bauübergabe begleitet. Die Allianz-Arena ist mit allen Genehmigungsverfahren und allen Beteiligungsverfahren innerhalb von viereinhalb Jahren geplant und gebaut worden. Und das auch noch innerhalb des finanziellen Rahmens, den die beiden Vereine vorgegeben hatten.

(für Achim Schalner)

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.