Von ihm hätten wir fast eine neue Nationalhymne erhalten. Wenn es nach Theodor Heuß gegangen wäre („Land des Glaubens, deutsches Land“). Rudolf Alexander Schröder (1878-1962) ist 50 Jahre nach seinem Tod eine Tagung im Deutschen Literaturarchiv Marbach gewidmet worden (Michael Stallknecht, SZ 11.12.12). Schröder war Mitbegründer der Zeitschrift „Die Insel“ und damit des gleichnamigen Verlags. Dessen Archivbestände sind 2009 mit denen des Suhrkamp-Verlags, der jetzt einen Machtwechsel erleben könnte, in das „Siegfried Unseld Archiv“ gewandert.
Rudolf Alexander Schröder war ein prominentes Mitglied der „Inneren Emigration“ und genoss bis 1945 ein hohes Ansehen. Wehrmachtssoldaten wandten sich an ihn um Trost. 1935 hatte Schröder sich von seiner Heimatstadt Bremen in den Chiemgau zurückgezogen. Er gehörte zur „Bekennenden Kirche“, hielt aber auch Kontakt zu regimetreuen Theologen. Im Ersten Weltkrieg hatte der Dichter der Armee als Zensor gedient (nicht als einziger Schriftsteller). Aus dieser Zeit stammt „die größte Sünde meines Lebens“, der nationalistische Zyklus „Heilig Vaterland“.
Mit Hugo von Hofmannsthal und Rudolf Borchardt pflegte Schröder eine intensive Künstlerfreundschaft. Ohne ihn könnte man die beiden anderen nicht verstehen. Er selbst ist ziemlich in Vergessenheit geraten und infolgedessen auch kaum erforscht. Anscheinend hat er vieles nicht wirklich zu Ende gedacht. Robert Norton (University of Notre Dame/Indiana) erkennt an Schröder „etwas wesentlich Zweideutiges“. Das würde Schröder mit vielen Schriftsteller-Kollegen verbinden.