Diskus-Weltmeister Robert Harting aus Berlin hat sich mehrfach klar gegen Doping ausgesprochen. Dazu interviewt ihn Michael Reinsch (FAZ 14.11.15).
FAZ: Leichtathletik-Funktionäre und die olympische Welt behaupten, vom systematischen Doping in Russland und von der Korruption an der Spitze des Leichtathletik-Verbandes IAAF hätten sie nichts geahnt. Sind Sie auch aus allen Wolken gefallen?
Harting: Nein, ich freue mich, dass der Sachverhalt aufgeklärt ist. Bisher hatten nur Journalisten das behauptet. Nun hat eine unabhängige Kommission die Beweise überprüft und festgestellt: Ist so. Ich glaube nicht, dass Funktionäre wirklich überrascht sind. Die wissen doch alle, wie es läuft, und genau so wussten alle in der IAAF, dass Lamine Diack kein Engel war.
FAZ: Und jetzt?
Harting: Wir haben das mit Russland geklärt, jetzt müssen wir nach Kenia und Jamaika rein und die gleiche Untersuchung anstellen. Das sind richtige Problemfälle in der Leichtathletik.
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FAZ: Hätten Sie dafür votiert, die russischen Leichtathleten von den olympischen Spielen auszuschließen?
Harting: Ich hätte. Zum einen muss man Machtzentren zerschlagen; für Putin wäre das höchst peinlich. Zum anderen kann man von Athleten verlangen, dass sie sich für einen fairen Wettstreit einsetzen und nicht blind hinter einer Flagge herlaufen.
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