298: Alte Fragen an Martin Luther – neu gestellt

Der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Maier, ein Politikwissenschaftler, der sich auch im Zentralkomitee der deutschen Katholiken engagiert, hat ein Luther-Buch besprochen:

Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. C.H. Beck. München 2012, 714 S., 29,95 Euro („Literarische Welt“, 24.11.12).

Maier findet das Werk des Historikers, das kein theologisches Buch ist, lobenswert. „Die Luther-Forschung hat sich in den letzten fünf Jahrzehnten  mehr bewegt als in vier Jahrhunderten zuvor.“

„Doch der Wert der Arbeit von Heinz Schilling liegt vor allem darin, dass er die theologische Diskussion um Martin Luther auf ein verlässliches, quellenmäßg gesichertes historisches Fundament stellt. So können die alten Fragen an Luther neu gestellt werden. Ist sein Werk die legitime Fortsetzung, ja die schärfere Erhellung der frühchristlichen Glaubenslehren – oder ein absoluter Neuanfang? Ist sein „abgründiger Gott“ eine Wiederaufnahme augustinischer Theologie? Wie ist Luthers Lehre von der Alleinwirksamkeit Gottes mit seiner Christologie verbunden? Welche Bedeutung hat bei ihm das Wort Kreuz?

Das alles wird man nun neuerlich diskutieren können – jedoch mit einer Luthergestalt, die nicht ins Übermenschliche erhöht auf einem Denkmalsockel steht, sondern mit einem Menschen, der ein Kind der Zeit war, ebenso mittelalterlich wie modern, getrieben von Einsichten wie von Ängsten – und rundherum in gleicher Augenhöhe mit seinen Zeitgenossen.“

Die Rezension macht Mut im Hinblick auf das Christentum und die Ökumene (vgl. hier unter 290 bei „Gesellschaft“ und „Geschichte“).

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