In der zweiten Runde der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern bis 2017 zur Förderung der Forschung an deutschen Universitäten, in der es um 2,7 Milliarden Euro geht, ist die Georg-August-Universität Göttingen aus dem Kreis der Elite-Universitäten herausgefallen. Die Gründe dafür sind bisher unbekannt. Neu zum Kreis der Elte-Universitäten hinzugekommen sind die Universität Bremen, die Universität Köln, die Humboldtuniversität Berlin, die Technische Universität Dresden und die Universität Tübingen. Wie Göttingen haben das Karlsruher Institut für Technologie und die Universität Freiburg den Status als Elite-Universität verloren. Regelmäßig werden die Entscheidungen eines Ausschusses von Forschungsministern und Wissenschaftlern hingenommen, um nicht als schlechter Verlierer der eigenen Alma Mater noch mehr Schaden zuzufügen. Es geht um Forschungsvorhaben und Nachwuchsförderung.
Die Antragsstellung bringt einen hohen Aufwand mit sich. In Göttingen waren 200 Personen beteiligt. Für den Besuch der Gutachter wird geübt. Es gibt Strategiebesprechungen, Evaluierungen und Rechenschaftsberichte. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, dazu: „Die Bewerbung hat an den Hochschulen, die sich beteiligen, vieles lahmgelegt. Eine weitere Exzellenzinitiative dieser Art kann man sich nicht leisten.“ Für die Bewerbungen gilt eine eigene Rhetorik. Die Universitäten bilden Abteilungen, welche die Antragsschreiberei organisieren. Mittlerweile gibt es eine kommerzielle Beraterbranche, die das Beantragen als Vollzeitjob betreibt. Von Wissenschaft braucht man dazu in der Regel keine Ahnung zu haben. Laut einer Umfrage des Bonner Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung vernachlässigen die Professoren, die Anträge stellen, Lehre und Prüfungen.
Der Präsident der Universität Hamburg, Dieter Lenzen, hat eine zehnjährige Pause für Großwettbewerbe gefordert. „Jetzt muss Planungsruhe und Konsolidierung der Erfolge eintreten.“ Einige Universitäten hätten sich „bis an den Rand der Erschöpfung geantragt“. Der Berliner Politologe Michael Zürn urteilt: „Es ist nicht die wettbewerbliche Orientierung als solche, sondern die enge Taktung und hamsterradartige Vermehrung von Begutachtungen und Wettbewerbsverfahren, die zu einer permanenten Ablenkung, zu einer Überhitzung des Wissenschaftssystems führen.“
Ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass die Gutachter anscheinend auch auf die regionale Verteilung der Standorte der Elite-Universitäten bedacht waren. Sind das eigentlich schlüssige Kategorien zur Bewertung der Forschungsleistung von Universitäten?