Fast immer, wenn Mordanschläge auf unschuldige Menschen verübt werden, gehören vorzugsweise Juden zu den Opfern. U.a. damit setzt sich die 1963 als Tochter des bekannten Historikers und Holocaust-Überlebenden Arno Lustiger geborene Gila Lustiger auseinander. Sie lebt in Frankreich und reflektiert die Tatsache, dass die vier jüdischen Opfer der Pariser Anschläge in Jerusalem begraben worden sind (Literarische Welt 17.1.15).
Zunächst nennt Gila Lustiger die Namen der vier Opfer:
Yohan Cohen,
Yohav Hatab,
Phillippe Braham,
Francois-Michel Saada.
Dann schreibt Lustiger: „Als am Abend bekannt wurde, dass die Familien der Opfer ihre Väter, Ehemänner, Söhne in Jerusalem begraben würden, fingen die ersten Nörgler an, in den Foren zu monieren: Können die nie sein wie alle anderen? Warum lassen sie ihre Angehörigen denn nicht in Frankreich begraben? Das ist denen wohl nicht gut genug? Die immer mit ihrem Jerusalem? Und wenn wir schon einmal dabei sind? Können die nicht ganz normal essen wie jedermann? Wären die kurz vor ihrem Schabbes nicht in ihren koscheren Lebensmittelladen gerannt, dann wären die doch gar nicht tot.“
Und Lustiger antwortet: „Manche können und wollen eben nicht sein wie jedermann. Sie tragen Kopftücher und leben ein friedliches Leben in Kreuzberg. Sie lassen ihre Familien in Jerusalem begraben und sagen: ‚Baruch Haschem.‘ Sie beten auf einem Teppich und ziehen ihre Schuhe aus. Aber sie gehören dennoch dazu. Nur an unserer Fähigkeit, sie trotz ihrer Eigenheiten in unserer Mitte aufzunehmen, wird sich zeigen, ob der Gedanke der Aufklärung, für den wir in diesen schwierigen Zeiten auf die Straße gehen, in Europa noch eine Zukunft hat.“
Stimmt da jeder von uns zu?