Der Herausgeber der „Jewish Voice of Germany“, Rafael Seligmann, schreibt über Israels Besatzungspolitik (Deutsche Ausgabe, Januar 2015):
„Unmittelbar ist Israel durch den Palästina-Konflikt berührt. Die jahrzehntelange Besatzung ist ein gesellschaftliches Gift. Der genuine Idealismus zum Aufbau eines jüdischen Staates wird beschädigt durch die notwendigerweise harte Haltung einer Besatzungsmacht. Der Bau eines Trennzaunes, im Abschnitt Jerusalem einer Mauer, ist der Beweis, dass die Okkupationsabsicht gescheitert ist. Die Konsequenz ist eine Zweistaatenlösung. Dazu hat sich Ministerpräsident Netanjahu in einer öffentlichen Rede bekannt. Doch gleichzeitig lässt er die israelische Siedlungstätigkeit in den besetzten Gebieten ausbauen. Dies kann keine palästinensische Regierung akzeptieren. Für die Hamas ist es die wirksamste Propaganda.
Israel hätte die Chance durch eine mutige Politik, vor allem die Räumung des Westjordanlandes, eine Renaissance des Zionismus, also des jüdischen Charakters Israels, einzuleiten. Stattdessen setzt Benjamin Netanyahu auf die nationalistische Karte und hofft auf eine entsprechende Koalition, die Israel weiter isolieren würde. Die Konsequenzen bedrücken den früheren Mossad-Chef Shabtai Shavit: ‚Ich bin besorgt, dass sich die Geschichte wiederholen könnte. Israel marschiert blindlings in die Ära des Aufstandes von Bar Kochba gegen Rom (132-135). Das Ergebnis waren 2000 Jahre Exil.“