Die gegenwärtig in Deutschland vorherrschende Einstellung zu Russland ist eine eigentümliche Mischung aus dem alten deutsch-nationalen Traum vom russisch-deutschen Bündnis gegen Amerika, wie wir ihn aus den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts kennen, und der Angst vor dem russischen Bären. Eine schlimme Fehlhaltung. Leute, welche die Zeit nicht mehr verstehen wie Gorbatschow, machen die Sache nur ärger.
Ist die Angst vor Russland begründet? Ja. Das zeigt die Annektion der Krim und die kriegerische Aneignung des Donbass. Das zeigen Berlin 1953, Budapest 1956 und Prag 1968. Tabuisierungen bringen hier gar nichts. Und Augen schließen erst recht nicht.
Aber wir müssen der russischen Bedrohung standhalten und ihr entschlossen begegnen. Dafür haben wir die
NATO und die
EU.
Was im übrigen die grundfalsche außenpolitische Haltung der Linken beweist. Eine Sicherheitsgarantie von uns haben
Estland,
Lettland,
Litauen,
Polen,
Tschechien,
die Slowakei,
Ungarn,
Rumänien und
Bulgarien.
Diese Staaten haben genug von russischer Vorherrschaft, die sie manchmal wie Polen über Jahrhunderte erdulden mussten. Das darf es nie wieder geben.
Die russische Gesellschaft ist schwach, sozial zerrissen, mit einer privilegierten und manchmal superreichen Nomenklatura. In weiten Kreisen wird dort heute noch der Massenmörder Stalin (Archipel Gulag) verehrt. Das alles kommt für uns nicht in Frage.
Die EU sollte auf mittlere Sicht eine Politik führen, die für die Staaten des ehemaligen Jugoslawiens einen EU-Beitritt unter Wahrung strenger Kriterien attraktiv macht. Vor allem gibt es dort noch Demokratiedefizite.
Ähnliches gilt für die Ukraine, der die EU wirtschaftlich helfen muss, damit eines Tages, wenn Russland seine Aggressivität abgelegt hat, ein EU-Beitritt möglich wird.