London, die pulsierende Metropole Großbritanniens, ist eine faszinierende Stadt. In diesem Jahr werden dort die Olympischen Sommerspiele stattfinden, nicht zum ersten Mal. Dann wird alles noch teurer und bizarrer. Aber London ist auch die Stadt der Kunst, der Poesie, der Musik und der Ironie. Allein fünf Fußballmannschaften spielen in der Premier League. London ist also auch die Stadt der Fußballliebhaber: Tottenham Hotspur, FC Chelsea, FC Arsenal, FC Fulham, Queens Park Rangers. In der zweiten Liga tummeln sich Mannschaften wie West Ham United und FC Watford. Weiter hinten Crystal Palace. Mit einem besonderen Ambiente Leyton Orient.
London ist nicht nur die teuerste Stadt Westeuropas, es ist auch dessen Finanzmarkt-Stadt. Und da kommen wir auf die dunklen Seiten der Angelegenheit. Hier tobt der Klassenkampf. Weswegen auf der politischen Linken immer auch wieder extreme Positionen vertreten werden. Ken Livingstone(„Der rote Ken“) hat London von 2000 bis 2008 regiert. Er kennt sich aus mit den Klassengegensätzen „seiner“ Stadt. Den Bankern fühlt er sich nicht verpflichtet. Nun hat er gefordert: „Hängt einen Banker pro Woche auf, solange, bis sich die anderen gebessert haben.“ Solche Parolen greift die Londoner Boulevardpresse gerne auf.
Livingstone Gegner im gegenwärtigen Wahlkampf ist der seit 2009 regierende Boris Johnson von den Konservativen. Er kämpft gegen eine Finanz-Transaktionssteuer und gehört damit zu denjenigen Politikern, welche die Klassengegensätze verschärfen. Wie auch Premierminister David Cameron. Ihre Besorgnis um Großbritannien ist die Sorge um die Investmentbanker in London, den Finanzplatz London. Sie blockieren die dringend nötige weitere europäische Integration und sind die gar nicht so heimlichen Partner der USA. Sie sind die Förderer der gänzlich unproduktiven Geldhändler und Hedgefonds. Dort werden keine Güter und Dienstleistungen produziert, sondern auf den Niedergang Griechenlands, Südeuropas und Europas insgesamt gewettet.
In London sind mehr als 240 ausländische Banken angesiedelt. 2,4 Prozent des nationalen Einkommens werden dort geschöpft. Die Finanzbranche brachte der Stadt im vergangenen Jahr etwa 1,4 Milliarden Pfund (1,7 Milliarden Euro) Steuern. Vor der Finanzkrise waren es noch mehr. Da besteht keine Aussicht auf Besserung. Damit muss Europa auch noch fertigwerden.
Gibt es dazu Alternativen? Livingstones Deal mit dem venezolanischen Diktator Hugo Chavez über Treibstofflieferungen für die Londoner Busse 2007 ist gewiss keine. Livingstone bedankte sich nach seiner Abwahl 2008 mit einer Gratis-Beratertätigkeit für Chavez in Verkehrsfragen.
Und der Londoner Wähler hat 2012 wieder nur die Wahl zwischen der Pest (Boris Johnson) und der Cholera (Ken Livingstone).