Annekatrin Hendels Dokumentarfilm „Anderson“ beschäftigt sich mit Sascha Anderson, dem zentralen Stasispitzel des Prenzlauer Bergs zu Zeiten der DDR. Er spitzelte auch noch in West-Berlin weiter seine „Freunde“ aus. Damit brachte der „Poet“ die gesamte Opposition in der DDR in Verruf. Hätte es die letzte deutsche Revolution 1989 gar nicht gegeben, wenn es nach der Szene am Prenzlauer Berg gegangen wäre? Der DDR-Opposition am Ende der achtiger Jahre war das „Wirklichkeitsgefühl“ abhanden gekommen (Iris Radisch, Die Zeit 1.10.14)
Heute lebt der Stasi-Künstler als sechzigjähriger Ehemann im Hessischen. Seinen „Freundesverrat“ verklärt er als „antifschistischen Akt“. Da ist er in einem Atemzug mit dem ehemaligen KGB-Offizier Wladimir Putin. Es kommt zusammen, was zusammengehört. Die Stasi erscheint als sicherer Ort, als eine Geborgenheit spendende „Urfamilie“. Leichtsinnigerweise hatte Sascha Anderson 1990 seinem Stasi-Führungsoffizier vertraut, der ihm vorgelogen hatte, dass alle Unterlagen vernichtet worden seien. Nicht zuletzt diejenigen, welche die Stasi-Zentrale gestürmt hatten, haben das verhindert. Zum Glück haben wir die Stasi-Akten. Sie ermöglichen es, dass wir uns reinen Wein einschenken.
Wolf Biermann nannte Sasch Anderson 1990 „Sascha Arschloch“.