Constanze von Bullion (SZ 23.2.2012) begründet plausibel, dass Daniela Schadt, die Freundin von Joachim Gauck, dem von fünf Parteien nominierten Bundespräsidenten-Kandidaten (CDU/CSU/FDP/ SPD/ Grüne) nach dessen Wahl in ihrem Beruf als Ressortleiterin bei einer Nürnberger Tageszeitung bleiben sollte. Im Wesentlichen stellt Bullion darauf ab, dass wir auch von Joachim Sauer, dem Ehemann der Bundeskanzlerin, der Chemieprofessor ist, nicht erwarten, dass er als Grüßaugust neben Angela Merkel agiert. Sauer erforscht die Quantenchemie, und kein Mensch wundert sich darüber oder beklagt das.
Schon vor mehr als dreißig Jahren lehnte es Veronika Carstens ab, die Frau des damaligen Bundespräsidenten Karl Karstens, ihren Beruf als Ärztin aufzugeben. „Gutes tat sie trotzdem, der Untergang der Republik blieb aus. Kein Wunder.“ Wir haben in Deutschland einen Entwicklungsstand erreicht, wo wir, wenn wir schon keine Bundespräsidentin bekommen, was ja auch möglich gewesen wäre, von der Frau des Präsidenten nicht erwarten sollten, dass sie ihren eigenen Erfolg ganz und gar dem Amt des Mannes unterordnet.
„Es stimmt, Deutschland braucht weibliche Vorbilder, dringend, aber keine, die sich so lange verbiegen lassen, bis sie dem überkommenen Bild der selbstlosen Ehefrau, mildtätigen Stifterin und Beauftragten fürs Blumenwesen entsprechen. Benötigt werden Spitzenfrauen, die uns vormachen, wie das geht: im Beruf zu bestehen, ineinander wachsende Familien zu managen und dabei noch einen Partner auszuhalten, der schon von Berufs wegen glaubt, der Wichtigste im Land zu sein. Zu schaffen ist das, keine Frage, die neue First Lady muss nur wollen. Sie würde ihrem Land ein Geschenk damit machen.“
Falls Frau Schadt und Herr Gauck heiraten wollen, dann sollen sie das ruhig tun. Aber nicht wegen Politikern wie Norbert Geis (CSU), der verlauten ließ: „Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird.“ Norbert Geis sollte sich mit seinen alten, zölibatären Freunden im Vatikan abstimmen, die aber ruhig ihre reaktionären Positionen behalten dürfen.