Mehr als 200 DDR-Dopingopfer hat die Bundesrepublik anerkannt. Der Doping-Opfer-Hilfe-Verein (DOH) zählt 700. Über das Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz haben einige der Betroffenen eine kleine Entschädigung erhalten. Einige warten noch auf eine kleine Rente. Die Einzelfälle enthalten himmelschreiendes Unrecht. Anno Hecker hat in der FAZ (18.10.14) 73 Kurzbiografien von Opfern publiziert. Reihenweise tauchen Arthrosen, defekte Wirbelsäulen, Depressionen, Krebs auf. Aber auch sehr viele missgebildete Kinder.
Aus Scham sprechen viele der ehemaligen Athletinnen und Athleten nicht über ihre Beschädigungen. „Die Scham ist so groß, weil es teilweise um sehr intime Schäden geht. Über eine Klitorisverlängerung spricht man nicht so leicht.“ Haupt-Dopingmittel waren die sogenannten blauen Bohnen, Oral-Turinabol. Die zu dopenden Athletinnen erhielten klare Anweisungen. Am besten gar nicht erst schwanger werden, notfalls abtreiben. Das Bundesministerium des Inneren (BMI) beteiligt sich mit 30.000 Euro pro Jahr an der Finazierung der Beratungsstelle des DOHs. Unter seiner Vorsitzenden, Ines Geipel, der ehemaligen Weltklassesprinterin, versucht der DOH einen Fonds zu gründen, der in schweren Notfällen hilft. Etwa bei einem Treppenaufzug für eine Olympiateilnehmerin, die nicht mehr allein in den ersten Stock kommt.
Es taucht auch immer noch neues belastendes Material auf (Boris Herrmann, SZ 20.10.14). So über Rolf Beilschmidt, heute Hauptgeschäftsführer des Landessportbund Thüringen, einst Hochspringer und Stasi-Spitzel. Nicht nur als Athlet, sondern auch noch als Trainer. Beilschmidt hat Ines Geipel und Roland Jahn, den Chef der Stasi-Unterlagen-Behörde, bespitzelt. Die sind sich über die Behandlung Beilschmidts heute nicht immer einig. Jahn ist ein alter Jugendfreund Beilschmidts.
Ines Geipel z.B. erhielt einen Telefonanruf aus Greiz von der Frau des ehemaligen Weltklasse-Gewichthebers Gerd Bonk, 62. Er liegt seit Ende September im Koma und wacht eventuell nicht mehr auf. Bonks Nieren sind kaputt, er sieht nicht mehr richtig, kann schon lange nicht mehr gehen, an der rechten Hand fehlen ihm drei Finger, wegen starker Diabetes hängt er an Dialysegeräten. Verheizt von der DDR, vergessen vom vereinigten Deutschland hat Bonk einmal sein Leben beschrieben. Die breite Öffentlichkeit ist des Themas überdrüssig, den Tätern geht es gut, Stasi-Leute erhalten ihre Rente, die Opfer müssen sehen, wie sie zurechtkommen.