691: Udo Reiter ist tot.

Udo Reiter hat eine große Karriere gemacht. U.a. war er von 1991 bis 2011 Intendant des MDR (Hans Leyendecker, SZ 11.10.14; Michael Hanfeld, FAZ 11.10.14; kami, Die Welt 11.10.14). Aber er liebte auch die Lyrik von Gottfried Benn, Georg Trakl, Jakob von Hoddis und Rainer Maria Rilke. Über von Hoddis Werk und Leben hatte er promoviert. Nach einem Autounfall 1966 war Udo Reiter querschnittsgelähmt und saß im Rollstuhl. Damals hatte er zum ersten Mal den Beschluss gefasst, sich selbst zu töten. Er ließ es dann, als er merkte, dass er noch gar nicht sterben wollte. Seither aber hat sich Udo Reiter für einen selbstbestimmten Tod eingesetzt.

„Ich möchte ganz allein entscheiden, wann es so weit ist und ich nicht mehr will. Ohne Bevormundung durch einen Kardinal, einen Ärztepräsidenten oder einen Bundestagsabgeordneten.“

„Wenn das Recht auf Selbstbestimmung, die Grundlage unserer Verfassung, für das ganze Leben als Grundsatz gilt, warum soll das nicht für die letzte Phase, das Sterben, auch noch gelten?“

„Irgendwann wird es zu Ende gehen. Aber wie? Ich möchte nicht als Pflegefall enden, der von anderen gewaschen und abgeputzt wird. … Ich möchte bei mir zu Hause, wo ich gelebt habe und glücklich war, einen Cocktail einnehmen, der gut schmeckt und mich sanft einschlafen lässt.“

Nun ist Udo Reiter in seinem Haus in Gottscheina (Sachsen) erschossen aufgefunden worden.

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