Rafik Schami: Wie soll es in Syrien weitergehen ?

Der in Syrien geborene Schriftsteller Rafik Schami fragt sich (neben vielen anderen), wie es in Syrien nach dem Sturz des Diktators Baschar al Assad weitergehen soll (SZ „Außenansicht“ 11./12.2.2012). Denn von dem Sturz Assads ist er überzeugt. Dessen Familienclan beherrscht Syrien seit 40 Jahren. Schon sein Vater Hafis al Assad hatte brutal geherrscht. In dem von der Armee angerichteten Massaker 1982 in Hama kamen 20000 Menschen um. Seit März 2011 sollen jetzt 80000 Menschen in Syrien verschwunden sein. Schami befürchtet, dass die meisten von ihnen tot sind. Für ihn herrschen in dem Land Armut, Korruption und vor allem die Geheimdienste. Die Familie Assad gehört zur muslimischen Minderheit der Alewiten, die über viele Jahrhunderte selber verfolgt wurde.

„Doch was kommt nach dem Sturz des Regimes? Bürgerkrieg? Provisorische Einheitsregierung? Ein blutiger Putsch? Übernehmen die Fundamentalisten die Macht?“ In den Antworten steckt die Ratlosigkeit des Intellektuellen, der lange nicht mehr in dem Lande lebt. Viel mehr, als dem Westen zu empfehlen, die zivile demokratische Opposition zu unterstützen, fällt auch Schami nicht ein. Dass den russischen und chinesischen Machthabern das Schicksal des syrischen Volkes gleichgültig ist, zeigt deren Verhalten im Sicherheitsrat der UN. Die syrischen Intellektuellen sehen sich durch das Volk entmachtet, das sich der neuen Online-Medien bedient. Und die Arabische Liga ist auch für Schami ein „Verein der Diktatoren“, von dem keine zivilgesellschaftlich überzeugende Lösung zu erwarten ist. Insofern herrscht überall Unkenntnis, Unsicherheit und Ratlosigkeit, wenn es um die Beurteilung der „Arabellion“ geht, die allerdings in Syrien, Libyen, Ägypten und Jemen auch noch auf sehr verschiedene Verhältnisse trifft. Die Menschen leiden weiter.

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