Bis hin zu Papst Franziskus ist der Kapitalismus sehr unbeliebt. Das kommt mir verständlich vor (Dietmar Süß SZ 29.7.14), ist aber doch falsch. Es hilft hier, einen ausgewiesenen Sozialhistoriker wie Jürgen Kocka zu Rate zu ziehen, bei dem der Kapitalismus während seines gesamten Wissenschaftlerlebens ein Thema war. Er hat ein neues Buch geschrieben:
Geschichte des Kapitalismus. München (C.H. Beck) 2013, 144 S., 8,95 Euro.
Darin schreibt Jürgen Kocka: „Bisher haben sich Alternativen zum Kapitalismus als unterlegen erwiesen, sowohl was die Erzeugung von Wohlstand als auch die Ermöglichung von Freiheit betrifft. Die Niederlage der kommunistischen Zentralverwaltungswirtschaften im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts war insofern ein Schlüsselprozess für die Einschätzung der historischen Bilanz des Kapitalismus.“
Und weiter: Der Kapitalismus „setzt seine Ziele nicht aus sich selbst. Er kann unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Zielen dienstbar gemacht werden, wenn denn genügend politischer Druck und entsprechende politische Entscheidungen zugunsten solcher Ziele mobilisiert werden können.“