Rafael Seligmanns „Jewish Voice from Germany“ erscheint viermal im Jahr auf Englisch.

Der Journalist und Schriftsteller Rafael Seligmann („Rubinsteins Versteigerung“, „Die jiddische Mamme“, „Der Musterjude“, „Der Milchmann“, „Deutschland wird dir gefallen“) bringt viermal im Jahr die Zeitschrift „Jewish Voice from Germany“ heraus. In englischer Sprache. Mit einer Auflage von 30000. Das Blatt wendet sich an ein jüdisches Publikum in Europa, Nordamerika und auf der ganzen Welt. Gegenwärtig arbeiten zehn Journalisten daran mit. Finanziert wird die Zeitschrift durch Anzeigen und eine von Seligmann eigens dafür gegründete GmbH. Seligmann dazu: „Ich habe keine Mäzene. Und ich habe auch keine Freunde, die Geerkens oder Maschmeyer heißen.“ Das Programm des Blattes ist wohl: Unabhängigkeit. Die soeben erschienene erste Ausgabe wirkt unorthodox.

Der 1947 in Israel geborene Seligmann, der seit 1957 in Deutschland lebt und an der Ludwig-Maximilians-Universität in München gelehrt hat, will die Juden aus einer Rolle, die sie ausschließlich als Opfer begreift, befreien. Seine Gegner beschreiben ihn ironisch als „Vertreter des Landjudentums in Deutschland“. Das wird ihn nicht anfechten.

Für die Zeitschrift schreiben auch Nicht-Juden. So stammt der Leitartikel der ersten Ausgabe von dem Leiter der Innenpolitik bei der „Süddeutschen Zeitung“, Heribert Prantl. Der Kurt-Tucholsky-Preisträger begründet darin die Notwendigkeit eines NPD-Verbots. Er nimmt damit ein Thema auf, das weit über die Interessen eines jüdischen Publikums hinausgeht.

Seligmann ist immer für einen Überraschung gut. Sein Thema in der ersten Ausgabe hat hohe Relevanz. Er votiert darin dafür, dass Israel so schnell wie möglich die Isolation, in die es sich manöviert hat, durchbrechen muss. Seligmanns überraschendes Plädoyer empfiehlt Israel, als erster Staat einen Staat Palästina anzuerkennen. Damit müssen sich viele von uns noch anfreunden. Aber die darin angegebene Richtung stimmt. Im Nahen Osten Frieden zu stiften, damit Israel sicher leben kann.

Ich wünsche Seligmanns Zeitschrift einen vollen Erfolg. Ohne Illusionen zu hegen, knüpft er wahrscheinlich an eine Zeit weit vor 1933 an, als die deutsch-jüdischen Beziehungen sogar als gut bezeichnet wurden. Und haben sie sich nicht in den letzten Jahrzehnten ausgezeichnet entwickelt?

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