Franz Beckenbauer war ein herausragender Fußballer. Von einmaliger Klasse. Weltmeister als Spieler 1974. Weltmeister als Trainer 1990. Er hat die Fußballweltmeisterschaft 2006 nach Deutschland geholt. Aber lange Zeit, und im Grunde bis auf den heutigen Tag, gehörte er dem potentiell kriminellen Milieu der FIFA an (Katrin Göring-Eckardt: „Saustall“). Nun wird er beschuldigt, für die Stimmabgabe für die Fußballweltmeisterschaft in Katar bestochen worden zu sein. Vorab ist schon zu sagen, dass davon bisher nichts erwiesen ist. Der Umgang aber, den Beckenbauer mit solchen Gerüchten bevorzugt, ist wiederum einmalig. Holger Gertz nennt ihn deswegen „Franz Wurst“ (SZ 12.6.14). Damit soll Beckenbauers „Wurschtigkeit“ umschrieben werden, bei der eh alles wurscht ist. Viele sehen Beckenbauer das nach. Auch dort, wo andere schon zu Fall gebracht worden wären.
Als der FIFA-Chefermittler Michael Garcia (USA) Beckenbauer Fragebögen auf Englisch zusandte, mit denen festgestellt werden sollte, wie korrupt es bei der Vergabe der Fußballweltmeisterschaft an die Diktaturen Russland (2018) und Katar (2022) zugegangen war, ließ Beckenbauer die Fragebögen unbeantwortet. Er sah sich angeblich überfordert mit dem Englisch (bei Cosmos New York nannte man ihn „The Kaiser“). „Ich habe gefragt, ob ich die Bögen auch auf Deutsch haben könnte, was offensichtlich nicht möglich war. Damit war die Sache für mich erledigt.“ Ja, so erledigt Kaiser Franz seine Probleme. Ist ja eh wurscht.
Der Trainer Max Merkel hat einmal über Beckenbauer gesagt: „Wenn der Kaiser spricht, legen sogar die Engel ihre Harfen beiseite.“ Der Franz pflegt seine eigene Sprache. Über Lothar Matthäus: „Der Lothar – wir kennen ihn.“ Bei der FIFA-Präsidentenwahl 1998 schien Beckenbauer zunächst auf Seiten des Schweden Lennart Johannsson zu stehen, um sich im entscheidenden Moment für Joseph Blatter stark zu machen. Als Beckenbauer das Münchener Olympiastadion loswerden wollte, meinte er: „Am besten, wir sprengen das Stadion einfach weg. Es wird sich doch ein Terrorist finden, der für uns die Aufgabe erledigen kann.“
Wes Geistes Kind Beckenbauer aber wirklich ist und wie moralisch verkommen, kam ans Tageslicht, als „der Kaiser“ angesichts der vielen Toten auf den Baustellen in Katar und bei der „Sklavenarbeit“ mancher weiblichen Hausangestellten dort kundtat: „Ich habe noch nicht einen einzigen Sklaven in Katar gesehen. Also, die laufen alle frei rum, weder in Ketten gefesselt noch mit irgendwelcher Büßerkappe am Kopf. Das habe ich noch nicht gesehen. Wo diese Meldungen herkommen, ich weiß es nicht. Ich hab mir vom arabischen Raum ein anderes Bild gemacht. Und ich glaube: mein Bild ist realistischer.“
Das ist der Geist, der auch Berti Vogts bei der Fußballweltmeisterschaft 1978 in Argentinien beseelte, als dort Elisabeth Käsemann 1977 ermordet worden und nicht vom Auswärtigen Amt oder vom DFB gerettet worden war (vgl. hier den Blogeintrag 593). Bertie Vogts, der gegenwärtige US-Kotrainer, sagte: „Ich habe keinen einzigen politischen Gefangenen gesehen.“