Ratings regulieren !

Die heute in der Regel hoch verschuldeten Staaten müssen sich durch Ausgabe von Anleihen auf dem Kapitalmarkt finanzieren. Der internationale Anleihenmarkt ist sehr groß, komplex und fast unüberschaubar. Hier sollen die Rating-Agenturen „Moody’s“, „Standard & Poor’s“ und „Fitch“ helfen. Sie untersuchen Schuldner auf ihre Bonität und prognostizieren, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie ihre Schulden tilgen. Von den Agenturen hängt es ab, zu welchen Konditionen die Staaten Geld bekommen. Sie können Schicksal spielen. Ob die Zinsen steigen oder fallen. Ob Rettungsschirme funktionieren oder nicht. In welche Richtung die Kapitalströme fließen.

Bezahlen lassen sie sich von dem, der die Anleihen auf den Markt bringt und deswegen das allergrößte Interesse daran hat, gut benotet zu werden. Das ist eine verseuchte Beziehung. Beim Ausbruch der Krise 2008 hatten die Ratingagenturen erst den Banken geholfen, US-amerikanische Hypotheken mit großer Ausfallgefahr zu hochriskanten Wertpapieren zu bündeln, um ihnen anschließend zur Verschleierung der Risiken Bestnoten zu erteilen. Untersuchungen haben ergeben, dass die Agenturen diejenigen Papiere am besten bewerten, mit denen sie am meisten Umsatz machen. Von Neutralität oder Objektivität kann also keine Rede sein. Deswegen kommt es zu häufig vor, dass die Agenturen als Krisentreiber und Brandbeschleuniger wirken. Zu Lasten der Allgemeinheit, also des Steuerzahlers. Wird ein Staat durch die Ratingsagenturen herabgestuft, steigen die Zinsen, die das Land für seine Schulden zahlen muss. Die Folge: noch mehr Schulden und weniger Chancen, aus dem Teufelskreis herauszukommen. So schaffen sich die Ratings in den Krisenstaaten die Bedingungen, die am Ende das Rating rechtfertigen.

Unter den Eigentümern der drei großen Rating-Agenturen sind erste Adressen auf den internationalen Kapitalmärkten, große Käufer von Staatsanleihen. Wie rentabel ihr Geschäft ist, entscheiden nicht zuletzt die Agenturen. Wie praktisch, dass man sie im eigenen Hause hat. Hier werden Interessen verfolgt, die niemals die Interessen der breiten Masse sein können. Insofern wird es höchste Zeit, dass den Self Fulfilling Prophecies der Rating-Agenturen Einhalt geboten wird. Aber die EU und ihre Kommission sind sich noch nicht einmal darin einig, unter bestimmten Umständen Ratings von Krisenstaaten zu verbieten.

Neulich wurde Frankeich für eine kurze Zeit von „Standard & Poor’s“ falsch bewertet. Dieser Irrtum sollte längst verkraftet sein. Allerdings spiegeln die Märkte seit jener Fehlbewertung für Frankreich nicht mehr das wieder erlangte dreifache A. Hier wird auf eine weitere Schwächung Frankreichs spekuliert. Gegen das Interesse von uns europäischen Steuerzahlern.

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