588: Hanna Maron war gegen die israelische Rechte.

Die in Berlin geborene israelische Schauspielerin Hanna Maron ist im Alter von 90 Jahren in Tel Aviv gestorben. Sie war in den zwanziger Jahren in Berlin schon ein Kinderstar und spielte etwa in Fritz Langs „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) mit. Vor den Nazis konnte sie über Paris fliehen. 1970 überlebte sie einen Terroranschlag in München knapp. Ein Bein musste ihr amputiert werden. Malte Herwig hat sie kurz vor ihrem Tod für das SZ-Magazin interviewt (SZ, 3.6.14).

SZ: Ist das Alter eine Tragödie oder eine Komödie?

Maron: Beides.Weil man gerne möchte und nicht kann. Ich hatte einen wunderbaren Mann, Yakov Rechter, ein großer Architekt. Leider lebt er nicht mehr, und meine beiden Ehemänner vor ihm sind auch tot. Ich habe sie nicht getötet! (Lacht) Aber ich glaube, ich hätte noch einmal heiraten sollen, als ich jünger war. Nun lebe ich allein und denke manchmal, es wäre schön, wieder einen Verehrer zu haben.

SZ: Die Münchener Ärzte retteten ihr Leben, aber sie mussten Ihnen ein Bein amputieren. Hatten Sie Angst, dass Ihre Schauspielkarriere nun für immer beendet ist?

Maron: Ach, mein lieber Mann, das war schrecklich. Aber es gab zwei Menschen, die mir Hoffnung machten. Eines Nachmittags betrat eine Frau mein Krankenzimmer und tanzte vor mir Walzer und Pirouetten. Ich hielt sie erst für verrückt, bis sie mir ihre Prothese zeigte. Das war der eigentliche Wendepunkt für mich. Außerdem schickte mir ein schwerverletzter israelischer Soldat Briefe in die Münchener Klinik und machte mir Mut: Du lebst und kannst kämpfen, und du musst eines Tages wieder auf der Bühne stehen. Ein paar Jahre später haben wir auf seiner Hochzeit Walzer getanzt.

SZ: Trotz des Terroranschlags haben Sie sich immer für die Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern eingesetzt. 1994 reisten Sie als Mitglied der israelischen Delegation zur Unterzeichnung des Osloer Friedensabkommens nach Washington. 2011 verlasen Sie auf dem Boulevard Rothschild in Tel Aviv eine palästinensische Unabhängigkeitserklärung und wurden dafür von rechten Demonstranten beschimpft.

Maron: Diese Leute haben geschrien, man hätte mir beide Beine abschneiden sollen. Ich hasse die Rechte in Israel und bin sehr enttäuscht von der Politik, die hier bei uns zur Zeit gemacht wird. Ich bin immer dafür gewesen, dass wir Frieden mit den Palästinensern schließen. Das palästinensische Volk lebt schließlich auch hier. Es ist eine ungeheure Tragödie, dass unsere Führung bis heute keinen Weg gefunden hat.

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