586: Helma Sanders-Brahms gestorben

Die Regisseurin Helma Sanders-Brahms ist gestorben (Susan Vahabzadeh, SZ 28./29.5.14; Silvia Hallensleben, taz 30.5.14). Die 1940 in Emden geborene Filmemacherin gehörte zur ersten Generation deutscher Regisseurinnen nach 1945. Sie hatte allerdings noch lange unter den Vorurteilen einer weithin männlich bestimmten Kritik zu leiden. Sanders-Brahms war nach einem Referendariat Redakteurin beim WDR. Sie erhielt den Auftrag für ein Interview mit Per Paolo Pasolini. Daraufhin machte sie gleich eine Hospitation bei Pasolinis „Medea“ und kam vom Filmemachen nicht mehr los. Deutsche Geschichte, Krieg, Emanzipation der Frau und Einwanderung waren ihre Hauptthemen.

Ihre erste Arbeit „Angelika Urban, Verkäuferin, verlobt“ (1970) wurde noch vom WDR abgelehnt, gewann aber auf den Kurzfilmtagen in Oberhausen mehrere Preise. „Unter dem Pflaster liegt der Strand“ (1974) war ein feministischer Spielfilm. Die eigenwillige Regisseurin kriegt aber auch mit dem offiziellen Feminismus Probleme. Sie eckte überall an. Die Kritik warf ihr häufig zu viel Didaktik vor. Wer ihre Filme heute sieht, merkt, dass Sanders-Brahms an vielen Stellen ihren Zeitgenossen voraus war. 1976 erschien „Shirins Hochzeit“, ein Film über Migration. 1977 „Heinrich“, eine Hommage an Heinrich von KLeist.

Sanders-Brahms wohl wichtigster Film wurde „Deutschland, bleiche Mutter“ (1980), der auf der Berlinale gezeigt wurde. Das internationale Publikum und die internationale Kritik zeigten sich weithin begeistert. Fast alle Filme von Sanders-Brahms trugen auch stark autobiografische Züge. Das machte sie authentisch. 1998 gab es eine erste große Retrospektive im Berliner Arsenal. 2008 erschien „Geliebte Clara“ über Clara Schumann mit Martina Gedeck in der Hauptrolle. Helma Sanders-Brahms setzte sich – auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen – publizistisch auch mit der deutschen Öffentlichkeit auseinander. Mit ihr haben wir eine wichtige Stimme verloren.

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