In der SZ (23.5.14) schreibt die aus Göttingen stammende Cathrin Kahlweit:
„Drei Tage vor der Präsidentschaftswahl in der Ukraine zeigt sich mehr und mehr die Schwäche der Milizen, die eine Abspaltung der Ostukraine vom Rest des Landes erzwingen wollen. Sie haben zwar viele Waffen und offenbar auch Geld, aber immer weniger Unterstützung in der Bevölkerung, keinen gemeinsamen Plan, zu viele durchgeknallte Kämpfer und zu wenige strategische Köpfe. Der wichtigste Oligarch des Ostens, Rinat Achmetow, hat sich am Donnerstag zum dritten Mal in einer wütenden Ansprache gegen die Zerstörung der Region verwahrt. Der Kreml hat bisher nicht zu erkennen gegeben, dass er den Donbass in die Russische Föderation aufnehmen möchte. Die Nato sieht sogar erste Anzeichen, dass Putin seine Truppen von der ukrainischen Grenze abzieht. Die Separatisten sind abgehängt. Es sieht so aus, als ob der Zenit ihrer Macht überschritten wäre.
Nur: das bedeutet nicht, dass man aufhören könnte, sie zu fürchten. Sie bekämpfen den wachsenden Gegenwind mit zunehmender Brutalität. Entführungen, Folter, Morde sind an der Tagesordnung. Ganze Familien werden bedroht. Auch Demütigungen gehören dazu, aus einer Gemeinde wird berichtet, ein proukrainischer Aktivist sei am Hundehalsband herumgeführt worden. Bei einem Angriff auf ukrainische Truppen, die sich im Rahmen der ‚Anti-Terror-Operationen‘ im Osten bewegen, sind am Donnerstag mindestens elf Soldaten umgekommen. Viele Anhänger der Kiewer Regierung flüchten aus dem Osten oder gehen in den Untergrund.
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Für die große Mehrheit der 45 Millionen Ukrainer, von denen 36 Millionen an die Urnen gerufen sind, gilt: Sie wollen diese Wahl, und sie wollen, dass sie funktioniert. Im Donbass werden zwar nur wenige Bürger wählen gehen – sei es, weil sie nicht wollen, weil die Wahllokale von den Separatisten zerstört wurden, weil die Wahlbehörden aus Angst erst gar keine eingerichtet haben oder weil sie Anschläge fürchten. Legal ist das Ergebnis trotzdem. Dafür hat das Parlament gesorgt, mit einem Gesetz, wonach die Wahl gültig ist, auch wenn in einigen Wahllokalen nicht abgestimmt werden kann. Es werden so viele internationale und nationale Wahlbeobachter unterwegs sein, wie nie zuvor in der Ukraine.
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