566: Putins Politik ist eine Katastrophe für Russland.

Timothy Snyder ist Yale-Professor und ein großer Ukraine-Experte. 2011 erschien sein „Bloodlands – Europa zwischen Hitler und Stalin“, ein riesiger Erfolg. Jetzt wurde Snyder mit anderen Experten von Cathrin Kahlweit in der SZ (5.5.14) zur Lage in der Ukraine interviewt.

SZ: Ist es jetzt zu spät? Haben die Separatisten gesiegt?

Snyder: Gesiegt? Das Ganze ist doch eine Katastrophe für Russland, eine Serie von fürchterlichen Fehlern. Wenn man Moskaus Situation im Herbst 2013 mit der jetzigen vergleicht, stand es damals viel besser da. Es hatte gute Beziehungen zur Ukraine, zu Europa. Jetzt fordert es die USA heraus und sogar China. Und all das für Lugansk? Ich kann hier keine großartige Außenpolitik auf Bismarck’schen Niveau erkennen. Wenn man darüber nachdenkt, ob die Russen schon gewonnen haben, weil die Ukraine gerade zerfällt, komme ich zu dem Schluss: Dies ist kein Sieg für Putin. …

Die EU hat sich nicht zu viel eingemischt, die EU hat ein Handelsabkommen angeboten, das man annehmen oder ablehnen konnte. Der Fehler lag woanders: Die EU hat nicht gesehen, dass Russland sich nicht als einzelnen Staat sah, sondern als Motor einer eurasischen Union. Und diese beiden Konzepte – europäische Integration oder eurasische Union – sind tatsächlich unvereinbar, aus politischen Gründen. Die eurasische Union ist ein autokratisches, die EU ein demokratisches Projekt. Jetzt sagt die EU: Es war unser Fehler, dass wir dieses Gegenprojekt nicht ernst genommen haben. Unsinn: Wenn sie tanzen gehen und man haut Ihnen auf der Tanzfläche auf den Kopf, sind Sie auch nicht schuld, weil sie tanzen gegangen sind.

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