553: Palmström steht an einem Teiche.

Der Dichter der „Galgenlieder“, Christian Morgenstern (1871-1914), ist vor hundert Jahren gestorben. Er entstammte einer Familie von Landschaftsmalern. Sein Einfluss auf die deutsche Literatur reicht weiter, als viele sich klarmachen. Das geht von den Dadaisten, Kurt Schwitters und der konkreten Poesie bis hin zu Heinz Erhardt und Robert Gernhardt. Bei ihm sahen alle Möwen so aus, als ob sie Emma hießen (Burkhard Müller, Christoph Bartmann, SZ 31.3.14) Morgenstern hat sich an Nietzsche, Ibsen und Strindberg orientiert und hatte doch einen viel stärkeren Hang zur Harmonie als diese. Morgenstern hat Hamsun, Strindberg und Ibsen übersetzt.

Wie Morgensterns Biograf Jochen Schimmang schreibt (J. Sch.: Christian Morgenstern. Eine Biografie. St. Pölten /Residenz 2013, 280 S., 24,90 Euro) hat sich der Dichter möglicherweise manchmal selbst missverstanden. Morgenstern gehörte zur Bohème, war häufig mittellos und flatterhaft. Er wurde früh tuberkulose-krank und starb schon mit 43 Jahren. Morgenstern verdanken wir Wörter und Begriffe wie Nasobem, Vierviertelschwein, den Zwölf-Elf, die Mitternachtsmaus, den Mondberg-Uhu, das einsame Hemmed und viele andere. Palmström war sein Protagonist.

Aber Morgensterns Satz „Ein Knie geht einsam durch die Welt. /Es ist ein Knie sonst nichts!“ gelangte in einen so todernsten Film wie Alexander Kluges „Die Patriotin“, in dem Hannelore Hoger als Geschichtslehrerin Gabi Teichert nach der deutschen Geschichte buddelt. Er ist also auch unser deutscher Christian Morgenstern, der uns Sätze geschenkt hat, wie den folgenden: „Der Flügelflagel gaustert / durchs Wiruwaruwolz / die rote Fingur plaustert / und grausig gutzt der Golz.“ Davon sollten wir uns eine Scheibe abschneiden.

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