Im Fall Schavan beschäftigt sich Thomas Gutschker (FAS 23.3.14) damit, warum so viele Professoren Annette Schavan so lange unterstützt haben. „Es gab willige Helfer: Präsidenten der großen Wissenschaftsorganisationen, Hochschulpräsidenten, Bildungsforscher, alles Professoren. Schavan hob noch viele Monate nach ihrem Rücktritt als Ministerin hervor, ‚dass ich enorm viel Zuspruch besonders aus der Wissenschaft erfahren habe‘.“ „Natürlich krähten am lautesten, die am meisten von den Milliardenzuteilungen der Ministerin abhängig waren.“
„Erziehungswissenschaftler versicherten eilfertig, es handle sich bei ihrer Disziplin gar nicht um eine Wissenschaft, also müssten an eine Dissertation in diesem Fach geringere Maßstäbe angelegt werden.“
Ja, ist die Erziehungswissenschaft gar keine Wissenschaft?
Ein Mann, der jahrelang an der Spitze der Deutschen Forschungsgemeinschaft gestanden hatte, gab zum Besten, die Aberkennung des Doktortitels für Schavan mute „jakobinisch“ an.
Gutschker geht an all dies nüchtern heran. „Und es fand sich sogar ein Leitfaden für wissenschaftliches Arbeiten, den Schavans Doktorvater seinerzeit erstellt hatte – von wegen andere Maßstäbe.“ „Die wahren Gründe .. liegen tiefer. In den vergangenen Jahrzehnten ist eine Kaste von Wissenschaftsfunktionären entstanden, die sich selbst oftmals nicht durch wissenschaftliche Spitzenleistungen auszeichnen, sondern durch Managementfähigkeiten. Sie faseln von Exzellenz, dreschen aber nur leeres Stroh.“
Und Thomas Gutschker betrachtet nochmals genau die Gründe für die Aberkennung des Doktortitels. „Ausschlaggebend dafür waren gerade jene Stellen, in denen sie nicht bloß wörtlich aus Fachbüchern abschrieb, ohne das zu kennzeichnen, sondern besonderen Aufwand trieb, um die Herkunft ihrer Gedanken zu verschleiern: durch geschicktes Umstellen und Umformulieren. So arbeitet nicht, wer bloß in seinem Zettelkasten die Übersicht verliert. So arbeitet, wer betrügt.“
Die Tatsache, dass die Spitzen der großen Koalition Annette Schavan zur Botschafterin im Vatikan machen wollen, bringt Thomas Gutschker zu dem Satz: „Vielleicht wollen sie dem Vatikan auch bloß zu verstehen geben, was sie von ihm halten.“