Putin erscheint gegenwärtig stark. Es ist ihm gelungen, die Olympischen Spiele in Sotschi und die Paralympics dort in seine Propaganda einzubauen, während er die Annexion auf der Krim bewerkstelligte. Überraschend viele Menschen in Europa haben seine Lesart übernommen, wonach die EU in der Ukraine viele Fehler gemacht habe. „Das ist Geschichtsklitterung und bleibt es auch, wenn ein früherer Bundeskanzler sich so äußert. Es war die freie Wahl der Ukrainer gewesen, sogar unter dem damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch, ein Assoziierungsabkommen mit der EU anzustreben. Putin war es, der den Ukrainern eine Entweder-oder-Entscheidung in seinem Sinne abverlangt hatte.“ (Daniel Brössler, SZ 17.3.14)
Putin hat die Stirn, auf der Krim das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu bemühen, obwohl dort nur sein Wille geschieht. Von einem Referendum in Tschetschenien ist jedenfalls noch nichts bekannt. Deshalb gehört Russland unter diplomatische Quarantäne. Aber Kontensperrungen und Einreiseverbote helfen nichts.
„Erst Wirtschaftssanktionen, also die nächste von der EU angedrohte Eskalationsstufe, sind für Putin bedrohlich. Sie werden teuer für viele in der EU, aber noch teurer für Putin. Die verschleppte Modernisierung hat Russland abhängig gemacht von seinen Ressourcen. Nur die Rohstoffeinnahmen aus dem Westen erlauben es dem Kremlchef, den Staatsapparat bei Laune zu halten und die Bedürfnisse ausreichend großer Teile der Bevölkerung zu befriedigen. Das Geld hat Putin zum Scheinriesen gemacht. Isoliert und in wirtschaftlicher Fehde mit dem Westen kann sein System nicht überdauern.“