Philip Roth schreibt ja nicht mehr. Stattdessen wurde er jetzt von „Svenska Dagbladet“ interviewt. Das Interview erscheint demnächst in der „New York Times“ (Willi Winkler, SZ 11.3.14).
Roth sagt: „Fünfzig Jahre lang saß ich jeden Morgen wehrlos und unvorbereitet vor der nächsten Seite. Das Schreiben erhielt mich am Leben. Wenn ich nicht schreiben würde, dann würde ich sterben.“ Nicht sein Talent, seine Hartnäckigkeit habe ihm das Leben gerettet.
Roth führt die Qualität der amerikanischen Literatur darauf zurück, dass keinem Schriftsteller eine politische Verantwortung abverlangt werde. Die amerikanische Gesellschaft sei so
disparat,
zentrumslos und
unübersichtlich,
dass der Literatur daraus eine große Freiheit erwachse. Dass die Schriftsteller neun Zehntel der Bevölkerung völlig gleichgültig seien, findet Roth „berauschend“. Und die „alte amerikanische Plutokratie“ sei heute schlimmer als je zuvor.
Auf die unvermeidliche Frage, warum er wohl den Literatur-Nobelpreis nicht bekommen habe, antwortet Roth: „Vielleicht hätte ich die Gunst der schwedischen Akademie errungen, wenn ich ‚Portnoys Beschwerden‘ (einen seiner bekanntesten Romane) ‚Der Orgasmus im Raubtierkapitalismus‘ betitelt hätte.“
Und so bleibt Philip Roth das, was Willi Winkler am meisten gefällt, „der bösartigste und deshalb der beste aller alten Männer“.