529: Sepharden bekommen spanische und portugiesische Staatsbürgerschaft.

1492 wurden die Sepharden, die Juden der iberischen Halbinsel, aus Spanien vertrieben, 1497 aus Portugal. Sephardim bedeutet „Einwohner der iberischen Halbinsel“. Sie unterscheiden sich von den aus Osteuropa und Deutschland stammenden Ashkenazim. Viele von ihnen siedelten sich in europäischen Hafenstädten an, darunter viele Ärzte und Wissenschaftler. Die Mehrheit der Sepharden zog ins osmanische Reich. Im östliche Mittelmeerraum erhielt sich ihre Sprache, das Ladino, bis ins 20. Jahrhundert (Peter Münch, Thomas Urban, SZ 7.3.14). Der deutschsprachige Literaturnobelpreisträger von 1981, Elias Canetti(1905-1994), der aus Bulgarien stammte, war ein Sepharde. Er selbst nannte die Sepharden Spaniolen.

Spanien und Portugal planen Gesetze, mit denen den Sepharden die Staatsbürgerschaft gegeben wird, sofern sie ihre Beziehungen zu den beiden Ländern (Sprache, Hausschlüssel, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden) nachweisen können. Das soll im Wege der doppelten Staatsbürgerschaft ein Akt der Wiedergutmachung sein. Isabella I. von Kastilien und ihr Mann, Ferdinand II. von Aragonien, hatten in geistlichem Furor die Juden verjagt. Dafür bekamen sie von Papst Alexander VI. den Ehrentitel „katholische Könige“ verliehen. Mehr als 300.000 Juden mussten im 15. Jahrhundert die iberische Halbinsel verlassen.

Heute gibt es in Spanien 30 Synagogen und ca. 50.000 Gemeindeglieder. Weltweit gibt es etwa 3,5 Millionen Sepharden. Ein Exodus nach Spanien und Portugal ist nicht zu erwarten. Aber die Vorteile einer doppelten Staatsbürgerschaft, zumal mit einem Pass der EU, fallen ins Auge. Die Lage in Nahost ist prekär. So haben mittlerweile 100.000 Israelis auch einen deutschen Pass. Die sechs Millionen Juden Israels sind von 350 Millionen Arabern umgeben.

Der Zionismus sieht die mögliche Verleihung einer zweiten Staatsbürgerschaft an Israelis kritisch. Ein Kolumnist warnte, dass der vermeintliche spanische Aussöhnungsvorstoß in Wirklichkeit „mit Antisemitismus infiziert“ sei. Spanien könne die neuen Bürger auf Grund seiner schlechten wirtschaftlichen Lage sehr gut gebrauchen. Die Juden hätten heute mit Israel ihren eigenen Staat. „Sie sind keine Herde mehr, die nach dem Wunsch des ehrwürdigen Königs hinausgeworfen oder zurückbeordert werden können.“

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