727: 1989 aus der Sicht von Marko Martin

Zum Gedenken an den Mauerfall von 1989 hat es viele würdige Veranstaltungen gegeben. Sie waren massenhaft besucht. Ein großer Erfolg. Fast alles Wichtige dazu wurde gesagt. Am Ende möchte ich hinweisen auf Marko Martins Buch

Treffpunkt ’89. Von der Gegenwart einer Epochenzäsur. Hannover (Wehrhahn) 2014, 320 S., 22,80 Euro.

Der 1970 in der DDR geborene Martin, der 1989 das Land als Kriegsdienstverweigerer verlassen durfte, hat sich nie an die in Deutschland vorgegebene Ordnung der intellektuellen Säulenheiligen gehalten und sich nicht gescheut, teilweise dezidiert antikommunistische Autoren wie Hans Sahl (1902-1993), Manès Sperber (1905-1984), Arthur Koestler (1905-1983), Melvin Lasky (1920-2004), Reiner Kunze (1933) und Jürgen Fuchs (1950-1999) als Autoritäten anzuerkennen. Viele der Genannten und noch manche andere hat Martin aufgesucht und interviewt, soweit sie noch am Leben waren.

Michael Kleeberg widmet Martins Buch eine enthusiastische Besprechung (SZ, 7.11.14). Es sei verpflichtet dem Geist des Individualismus, der in dem Satz Albert Camus‘ (1913-1960) zum Ausdruck komme, dass er sich vor die Wahl zwischen dem Gesetz und seiner Mutter gestellt, für seine Mutter entscheiden würde.

Die Erkenntnisse aus Martins Buch seien die folgenden: „Es gibt keinen historischen Determinismus, die Geschichte ist offen zum Besseren wie zum Schlechteren in jedem ihrer Momente. Und: Die Freuden der Freiheit sind kein Freibrief, sondern eine permanente Verantwortung. Der einzige Gradmesser ist die Menschenwürde des Individuums, des Andersdenkenden, Andersglaubenden, der Frau, des Homosexuellen. Freiheit ist immer die Freiheit auszutreten: aus einer Partei, einer Religion, einem Land, einer Ehe, einer Familie. Menschenrechte sind unteilbar und unrelativierbar und nie und nirgendwo auf ewig gesichert.“

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