Das Konzentrationslager Theresienstadt (Terezin) in Nord-Böhmen hat von 1941 bis 1945 eine besondere Rolle in der Nazi-Propaganda und im System der Konzentrationslager gespielt. Das lag u.a. daran, dass sich der dänische König für 476 Landsleute interessierte, die dort inhaftiert waren. Er drängte auf eine Inspektion des Lagers durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz 1944. Daraufhin wurde das Lager entsprechend hergerichtet (Ulrich Gutmair, taz 11.9.14). Allerdings wurden die Häftlinge schließlich genauso wie viele andere Millionen auf „Transport“, nämlich in die Vernichtungslager gebracht und dort ermordet.
Und es wurde ein Propagandafilm über Theresienstadt gedreht: „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt.“. In der nominellen Regie von Kurt Gerron, dem bekannten und berühmten Theater- und Filmmann aus dem Berlin der zwanziger Jahre, den wir etwa aus dem „Blauen Engel“ mit Marlene Dietrich kennen. Tatsächlich führte die SS Regie. Der Film war ursprünglich wohl 90 Minuten lang. Heute liegen davon nur noch acht (8) Minuten vom Anfang und 13 Minuten vom Ende vor. Eine Kopie gab es früher und gibt es wohl auch heute noch bei der Kreisbildstelle Göttingen. Und wir konnten den Film im Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft erfolgreich in der politischen Bildung einsetzen.
Im Film gehen Erwachsene spazieren, sitzen im Café und arbeiten im Garten. Die Kinderoper „Brundibar“ wird aufgeführt. Ein Fußballspiel wird gezeigt. Fröhliche Kinder essen Brote. Diese Szene musste dreimal gedeht werden, weil die hungrigen Kinder die Brote schon vor dem Dreh verschlungen hatten. Der Film ist ein spezielles Beispiel der Nazi-Propaganda, die auf vielen Feldern und für viele verschiedene Zielgruppen konzipiert wurde. Dieser Film war auch für ein internationales Publikum geeignet.
Kürzlich stand er im Zentrum einer viertägigen Konferenz in Terezin, die sich mit NS-Filmen beschäftigte, dabei aber im Hinblick auf „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“ merkwürdige Unsicherheiten zeigte. Der Film ist ein Muster an Täuschung und Lüge. Und insofern eine wirkungsvolle Ergänzung zu Fritz Hipplers Hetzfilm „Der ewige Jude“ (1940) und Veit Harlans überaus erfolgreichem Propagandaschinken „Jud Süß“ (1940). Davon schwirrt ja heute noch manches in den Köpfen von Menschen herum.