580: Avner Less, der Befrager Adolf Eichmanns, in Berlin neu beigesetzt

Gemeinsam mit seiner Frau Vera wurde Avner Less auf dem Alten Friedhof in Berlin-Wannsee neu beigesetzt. Als Werner Less war er am 18. Dezember 1916 in Berlin geboren worden. Sein Vater war als begeisterter Kriegsfreiwilliger in den Ersten Weltkrieg gezogen und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Die Naziherrschaft überlebte er trotzdem nicht (Willi Winkler, SZ 24./25.5.14).

Werner Less wurde 1933 vom Vater nach Paris geschickt. Dort heiratete er Vera Gonsiorowski und machte eine Lehre zum Damenfriseur. Das Paar wanderte bald nach Palästina aus. Dort ging Less in den Polizeidienst. Fortan hieß er Avner Less. 1960/61 verhörte er zur Vorbereitung auf den Prozess als Polizeihauptkommissar den kurz zuvor aus Argentinien entführten Adolf Eichmann, den Strategen der Endlösung und Massenmörder. Eichmann war bei der Befragung froh, deutsch sprechen zu können. Less erkannte bald, was für einen Lügner er in Eichmann vor sich hatte. Der wurde bekanntlich im Prozess überführt, verurteilt und danach hingerichtet. In der internationalen Intellektuellen-Community hat das, wie wir wissen, eine große und bis auf den heutigen Tag nicht beendete Kontroverse hervorgerufen. Basis dafür war die These der Gerichts-Berichterstatterin Hannah Arendt („The New Yorker“) von der „Banalität des Bösen“.

Avner und Vera Less hatten 1968 verlangt, wieder die deutsche Staatsbürgerschaft zu bekommen. Was auch geschah. In Israel galten sie deshalb als zu deutschfreundlich. Ihr Sohn Alon hat ihnen nun den Wunsch erfüllt, in Deutschland beerdigt zu werden. In Wannsee ruhen sie jetzt zwischen den von Bülows, von Oettingen-Wallersteins und Schwarz von Bergkampfs.

Eine typisch deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts

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