570: Lilli Palmer 100

Am 24. Mai wäre die Schauspielerin Lilli Palmer 100 Jahre alt geworden. Als Lilli Marie Peiser wurde sie in Posen/Poznan geboren. Zeit ihres erwachsenen Lebens verkörperte sie etwas, was heute wohl nicht mehr der Political Correctness entspricht: jüdisch-preußische Disziplin und künstlerisch-intellektuelle Klasse. Lilli Palmer, die auch in vielen durchschnittlichen Produktionen mitgewirkt hat, schrieb gegen Ende ihres Lebens Bücher. Ihre Memoiren „Dicke Lilli – gutes Kind“ (1974) wurde ein Welterfolg. Im Leben blieb sie häufig kritisch-distanziert und ließ sich nie von Parolen hinreißen. Lilli Palmer war eine schöne Frau. Schon das gilt in einigen Kreisen heute ja als nicht mehr akzeptabel. Ihre These „Eine Frau bleibt eine Frau“ steht nicht im Einklang mit dem Zeitgeist. Da ist es an uns Alten, uns in Verehrung an Lilli Palmer zu erinnern.

Sie wuchs in Berlin auf. Ihr Vater war Chefarzt im Jüdischen Krankenhaus. Neben dem Gymnasium besuchte Lilli die Schauspielschule, wo sie u.a. von Ilka Grüning und Lucie Höflich unterrichtet wurde. Ihre ersten Auftritte hatte sie am Rose-Theater in der Großen Frankfurter Straße (heute: Karl-Marx-Allee). 1933 musste sie nach Paris (später London) emigrieren. 1936 wirkte sie in Alfred Hitchcocks „Geheimagent“ mit. 1943 heiratete sie den britischen Schauspieler und Filmstar Rex Harrison. Der gemeinsame Sohn ist heute Professor in New York. Lilli Palmer spielte in Hollywood zusammen mit Schauspielern wie Gary Cooper, Clark Gable, James Mason, Jean Gabin und Charles Boyer. Als sie dort moralisch geächtet wurde, ging sie mit ihrem Mann an den Broadway.

1954 kam Palmer nach Deutschland zurück und wurde ein Star des Nachkriegskinos. Sie spielte u.a. mit Curd Jürgens und Romy Schneider. Bekannte Filme sind „Teufel in Seide“, „Mädchen in Uniform“ (das Remake), „Frau Warrens Gewerbe“, „Julia, Du bist zauberhaft“, „Lotte in Weimar“. Lilli Palmer trat auch im deutschen Fernsehen auf, etwa in der Serie „Der Kommissar“. 1957 heiratete sie den argentinischen Schauspieler und Schriftsteller Carlos Thompson. Palmer war eine ziemlich erfolgreiche Malerin. Heute werden junge Schauspielerinnen im Rahmen der Verleihung der Goldenen Kamera mit der Lilli-Palmer-Gedächtniskamera ausgezeichnet. Lilli Palmer selbst war zweimal für den Golden Globe nominiert, sie hat die Goldene Kamera und das Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film bekommen.

Sie war eine schöne Frau und eine große Dame. Ich vergesse sie nicht.

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