528: Die Wikinger in Berlin

Seit ich 1993 auf Einladung von französischen Freunden zum ersten Mal in der Normandie war, habe ich mich mit der Geschichte und den Legenden der Wikinger (Normannen) beschäftigt. Die Normandie hatten sie im 8. Jahrhundert unter Rolfr (Rollo) erobert. Ich wohne stets in Cabourg/Dives sur Mer, von wo aus Wilhelm der Eroberer (Guillaume le Conquerant) 1066 mit seiner Flotte in See stach, in der Schlacht von Hastings die Angelsachsen besiegte und daraufhin Großbritannien normannisierte (dargestellt auf dem Teppich von Bayeux). Ein bis auf den heutigen Tag für ganz Europa wichtiges Ereignis. Denn die Normannen führten ihr beispielgebendes Feudalsystem ein, das auf der Kampfkraft von Rittern beruhte. So waren sie führend an den Kreuzzügen beteiligt.

Die Wikinger sind ein faszinierendes Phänomen, auch wenn viele ihrer Eigenschaften und Vorlieben noch nicht richtig erforscht sind. 793 überfielen sie das irische Kloster von Lindisfarne. Seither kennt man „Wikinger“. Sie prägten Europa vom 8. bis zum 11. Jahrhundert. Ihr Image hat im Laufe der Zeit rigorose Revisionen erfahren (Alexander Menden, SZ 4.3.14). Sie wurden sowohl als blutrünstige Piraten verstanden als auch als pazifistische Händler. Aber waren die Wikinger Teilzeitkrieger, die in späteren Lebensjahren zum Ackerbau nach Dänemark und Norwegen zurückkehrten?

Eine vom British Museum gemeinsam mit dem Dänischen Nationalmuseum und dem Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte erarbeitete Ausstellung zeigt die Wikinger teilweise in neuem Licht. Einige Klischees fallen. Die Ausstellung („Vikings – Life and Legend“) wird zur Zeit in London gezeigt. Vom 10. September 2014 bis zum 4. Januar 2015 ist sie im Martin-Gropius-Bau in Berlin zu sehen. Unbedingt empfehlenswert.

Nicht ganz geklärt ist etwa, was „Wikinger“ überhaupt bedeutet. Stammt das Wort von „vik“ (Bucht) oder von „Vicus“ (Gehöft, Handelszentrum)? Darf man die Rus, die den Grundstein für das Zarenreich legten, zu den Wikinger zählen wie die Normannen in Sizilien? Unstreitig ist, dass die Wikinger auf vier Kontinenten (Europa, Asien, Afrika, Amerika) mit einer Vielfalt von anderen Völkern in Kontakt traten.

Die Wikinger bewegten sich ziemlich schnell mit ihren Langbooten. Sie waren auf dem Meer unterwegs, fuhren aber auch die Elbe und die Seine hoch. Als Seefahrer und Krieger waren sie brillant, sie handelten mit Bernstein, Schmuck (Goldschatz von Hiddensee) und Fellen. Den Steigbügel für den aufgesessenen Kampf mit Pferden lernten sie erst spät kennen, kämpften dann aber um so unerbittlicher und erfolgreicher. Unbesiegbar waren sie auch zu ihrer Hochzeit nicht. Im gleichen Jahr 1066, in dem Wilhelm der Eroberer in der Schlacht von Hastings siegte, hatte vorher der angelsächsische König Harold Godwinson den Wikinger Harald den Harten in der Schlacht an der Stamford Bridge besiegt. Dort spielt heute der FC Chelsea.

(Ausstellung im Martin-Gropius-Bau vom 10.9.14-4.1.15)

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