Das Lamento über gehaltlose Literatur ist wieder groß. Besonders in Deutschland. Nun beteiligen sich auch noch der deutsche Schriftsteller Klaus Ungerer und der US-amerikanische Schriftsteller Philip Roth daran (Literarische Welt 15.2.14).
Klaus Ungerer schreibt: „Ansonsten schlägt mir, …, immer und überall dieser Popanz, dieser Muff der Literaten-Literatur entgegen und der beigeordneten Literaturkritik, die es für berichtenswert hält, wer mit wem auf dem Nobelpreisball getanzt hat. … Als rundum alter Sack fühle ich mich gar nicht. Ich lese Nachrichten, ich gucke Bundesliga, streame die neuesten Serien, chatte mit Neuseeland. Überall bilde ich mir ein, über eine gewisse Neugierde zu verfügen. Auch bei Literatur. Der merkwürdige Effekt aber, immer wieder, wenn ich mal reinschaue in die einheimische Produktion: 95 Prozent davon fühlen sich so frisch an wie Omas Salzgebäck.“
Philip Roth antwortet auf die Frage, was Buchklubs bewirken können: „.. von Buchclubs habe ich keine Ahnung. Aus meinen vielen Jahren als Literaturprofessor weiß ich allerdings, dass es der ganzen Strenge bedarf, die man im Verlauf eines Semesters aufzubieten vermag, um wenigstens die besten Studenten dazu zu bringen, dass sie mit all ihrer Intelligenz und ohne das übliche Moralisieren, ohne ausgeklügelte Interpretationen und biografische Spekulation genau die vorgesehene Literatur lesen und sich insbesondere vor dem Schreckgespenst der dampfwalzenartigen Verallgemeinerung hüten.“
Klaus Ungerers Rat für potentielle Autoren: „Schauen Sie auf keinen Fall amerikanische Fernsehserien an! Amerikanische Fernsehserien haben eine unangenehme Neigung, ihre Handlung mit allerhand GEGENWART zu kontaminieren: Irak-Krieg, Alltagsrassismus, Gesundheitssystem, Computerspionage, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, politische Korruption, Google in China, Pharmalobbyismus … und immer so weiter, you name it. All dies sind Dinge, mit denen Sie sich nicht belasten sollten, um Sinnkrisen zu vermeiden: Was mache ich hier eigentlich? Welche Relevanz hat das? Woher wissen die so viele SACHEN, diese amerikanischen Fernsehserienmacher?“
Können wir Klaus Ungerer und Philip Roth ernst nehmen?