503: Gleich und gleich gesellt sich gern. Das macht die Gesellschaft ungleicher.

Zwei Sprichwörter kennt der Volksmund, mit denen beschrieben werden soll, wie Menschen zueinander finden: „Gegensätze ziehen sich an.“ Und: „Gleich und gleich gesellt sich gern.“ Letzteres scheint bei Heiraten zunehmend zu gelten. Das haben Wissenschaftler herausgefunden. Es gilt in den USA wie in Deutschland (Alexander Hagelüken SZ 30.1.14).

80 Prozent der deutschen Paare haben inzwischen ähnliche Berufe und ein ähnliches Bildungsniveau, stellt der Soziologe Peter Blossfeld fest. In den USA gilt die Formel „Marry your like.“ (Jeremy Greenwood). Gemessen wird das mit dem

Gini-Koeffizienten,

der die Einkommensunterschiede in einer Gesellschaft misst. Null bedeutet völlig gleich, eins bedeutet sehr ungleich. Skandinavische Länder gehören mit Werten um 0,25 zu den homogensten Ländern. Die USA sind mit einem Gini-Koeffizienten von 0,43 eher ungleich.

Wenn Menschen heute zufällig Partner auswählten, statt bevorzugt jemand mit vergleichbarer Profession und Ausbildung, würden sich die Schichten stärker mischen. Die Ungleichheit nähme ab. Wählen wir Gleiche als Partner, wird die Gesellschaft ungleicher, weil die Schichten-Mischung fehlt. Für das Paarungsverhalten gibt es mehrere Gründe. Je mehr Frauen die Uni absolvieren und in den Beruf streben, statt sich auf Haushalt und Kinder zu verlegen, desto mehr Heirats-Kandidatinnen in der Akademikerschicht gibt es natürlich. Und es scheint weniger Männer zu geben, denen Dominanz in der Beziehung wichtig ist.

Der erfahrene Münchner Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer kennt noch einen Grund. Wir suchten heute viel länger nach einem Partner als früher. Das Phänomen der Singles, die lange prüften, mit wem sie sich binden würden, breite sich immer weiter aus. Früher in einem kleinen Krankenhaus auf dem Land ohne Internet mit Partnerbörse war die Auswahl nicht groß. Dann habe der Arzt eben häufiger eine Krankenschwester geheiratet. Heute scanne der Arzt im Turbodating drei Ärztinnen und eine Krankenschwester und nähme dann eine Ärztin.

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