Kurz vor den Olympischen Winterspielen, die sehr umstritten sind, bedrohen Terroristen Russlands Sicherheit (Frank Nienhuysen, SZ 4./5./6.1.14). 2018 kommt dann noch eine Fußball-Weltmeisterschaft. Das System Putin stand kurz vor dem Triumph. Nun droht eine Tragödie. Das möge uns allen erspart bleiben. Dieser Wunsch gilt in jedem Fall. Auch wenn das System Putin ein Ein-Mann-Staat ist.
Er gründet sich vor allem auf die lange Tradition der russischen Obrigkeitshörigkeit. Der Zarismus herrschte mit weißem Terror (u.a. ein großes sibirisches Lagersystem). Der Kommunismus mit harter Hand. In der Phase des Stalinismus mit dem von Alexander Solschenyzin geschilderten Archipel Gulag.
Heute sind es
der Geheimdienst, dem Putin einst selbst angehörte,
die Armee, die in ihrer Vorstellung von russischer Größe lebt,
das staatliche Fernsehen mit seinen Propaganda-Shows für Putin,
die nicht unabhängige Justiz und
die orthodoxe Kirche, die dankbar ist für ihre wieder gewonnene Handlungsfähigkeit,
die das System Putin darstellen und den Autokraten stützen.
„Die Frage vieler Europäer, ob Russland nun demokratietauglich oder doch eher demokratieresistent ist, lässt sich unter all diesen Umständen noch nicht beantworten. Der Westen jedenfalls hat seinen Einfluss auf dieses Land überschätzt, seitdem Jelzin einst die Rolle des Bittstellers ausfüllte. Doch ohne Möglichkeiten ist Europa auch jetzt nicht. Es könnte etwa seine starre Haltung in der Visa-Frage aufgeben, die Russland ohnehin seit langem umtreibt.“