Die SPD steht sich manchmal selbst im Wege. Das weiß auch Detlef Esslinger. Er schreibt in der SZ (26.11.13):
„Wer nach der Wahl im Parlament keine absolute Mehrheit hat, muss sich, wenn er trotzdem mitbestimmen will, auf andere und auf deren Vorstellungen einlassen. Irgendwo auf halbem Weg einigt man sich dann. Vielen SPD-Mitgliedern mag zwar noch in etwa präsent sein, dass es zur absoluten Mehrheit am 22. September nicht gereicht hat. Macht aber nix, lautet ihre Devise; absolut im Recht sind wir trotzdem.
Wer in der Politik so denkt, ist letztlich nur um seiner selbst willen da. Ihm ist sein moralischer, ja elitärer Rigorismus wichtiger. Ihm ist es lieber, 100 Prozent eines Programms nicht durchzusetzen, als 50 Prozent durchzusetzen. Er befleckt sich lieber nicht in der Werkstatt einer Regierung, wo er zwar keine Vermögenssteuer durchsetzen wird, wohl aber bewirken könnte, dass Floristinnen demnächst mehr als fünf Euro die Stunde und Leiharbeiter den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft erhalten. Der schreit lieber in der Opposition herum; so wie es die Gewerkschaften vor Jahren im Protest gegen die Agenda 2010 versuchten. Das Ergebnis war nur, dass ihnen die Mitglieder so davonliefen wie der SPD heute die Wähler. Erst seit die Gewerkschafter von den Marktplätzen in die Betriebe zurückgekehrt sind und sich wieder intensiv um handfeste Probleme der Beschäftigten kümmern (in traditionellen u n d neuen Branchen), legen sie wieder zu. Diese Phase haben viele Genossen noch nicht erreicht. Sie halten es für das beste Rezept, in der Reinheit der Opposition am großen Gesellschaftsentwurf zu arbeiten.“
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„Das Elend der SPD entsteht nicht dadurch, dass sie sich nun ein weiteres Mal mit Merkel einlassen soll. Das Elend ist das ewige Hadern mit sich selbst. Man erzählt nicht, was man erreicht hat. Man bejammert, was man nicht erreicht hat. Sollte dies die Haltung sein, mit der die Genossen vielleicht doch noch die große Koalition auf sich nehmen, dann wird es in der Tat spätestens 2017 so enden wie beim letzten Mal. Nur schlimmer.“
Zusatz W.S.: Ich stelle mir für einen Moment vor, was passierte, falls die SPD die Option für eine große Koalition aufgeben würde. Dann würde sie von den Grünen und von der Linken über die politische Prärie gejagt. Immer auf der Flucht. Meistens vor sich selbst.
Die Grünen stehen ja für Radler auf der Fahrbahn. Und die Linken für ihren grandiosen wirtschaftlichen Sachverstand. Siehe 1989.