521: Garri Kasparow: Putin ist der reichste Mann der Welt.

Der ehemalige Schachweltmeister Garri Kasparow kandidiert 2014 für das Amt des Präsidenten des FIDE-Weltschachverbands. Lars Reichardt hat ihn für das SZ-Magazin (8.11.13) interviewt.

SZ: Ihren politischen Kampf gegen Putin haben Sie aufgegeben?

Kasparow: Nein. Ich mische mich auch weiterhin von New York aus ein. Aber ich möchte nicht mehr das Risiko eingehen, in Moskau eingesperrt zu werden. Das bin ich gern eingegangen, solange ich für mich allein war, aber ich kandidiere nächstes Jahr für das Amt des Präsidenten des FIDE-Weltschachverbands. Dafür muss ich in der ganzen Welt herumreisen und mich bei den verschiedenen Landesverbänden vorstellen. Da wäre es nicht fair von mir gegenüber denen, die meine Schach-Kandidatur finanzieren, jetzt zu hohe Risiken als Politiker einzugehen. Außerdem kann ich im Ausland viel mehr Schaden anrichten als in Moskau. …

SZ: Wie oft wurden Sie selbst schon verhaftet?

Kasparow: Ins Gefängnis gesteckt wurde ich nur ein einziges Mal, festgenommen und auf der Polizei festgehalten unzählige Male, bei nahezu jeder Demonstration, zuletzt bei den Protesten nach der Verurteilung von Pussy Riot im August 2012.

SZ: Stimmt es, dass Sie zuletzt in Moskau keine Restaurants mehr besucht haben, aus Angst, man könnte Ihnen etwas ins Essen mischen?

Kasparow: Sagen wir mal so: Ich mache mir grundsätzlich nicht viel aus Restaurantbesuchen. In Moskau habe ich schon immer lieber zu Hause gegessen. Oder an Orten, die ich gut kenne.

SZ: Was ist Putin denn nun: ein Diktator oder ein Gangster?

Kasparow: Jeder Diktator ist ein Gangster. Er ist der reichste Mann der Welt. Schauen Sie nur auf die Geldbeträge, die er kontrolliert: Das russische Staatsbudget beläuft sich auf 400 Milliarden Dollar, hinzu kommt das Geld der Oligarchen, die können nicht nein sagen, wenn Putin Geld für Sotschi oder irgendeinen anderen Zweck einfordert, also sprechen wir von einer Billion Dollar, die er direkt oder indirekt kontrolliert.

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