502: Sibylle Lewitscharoff: „Geld und Manneskraft hängen zusammen“

Den wichtigsten deutschen Literaturpreis, den Georg-Büchner-Preis, erhält in diesem Jahr die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff. Ihr letzter Roman „Blumenberg“ knüpfte an Material über das Leben des deutschen Philosophen Hans Blumenberg (1920-1996) an. Blumenbergs Briefwechsel mit Jacob Taubes (1923-1987), dem großen Judaisten, ist kürzlich veröffentlicht worden (ich habe ihn noch nicht gelesen). Andreas Zielcke hat Sibylle Lewitscharoff in der Villa Massimo in Rom über Geld interviewt (SZ 26./27.10.13). Dabei kommt die Rede auch auf Richard Fuld, den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Lehmann Brothers.

SZ: Er hat der Bank schließlich Schulden von 600 Milliarden Dollar beschert. Aber solche Geldberge muss man erst mal versetzen können – und wollen.

Lewitscharoff: Ich glaube, dass Männer hier gefährdeter sind, weil sie die Wucht des Schwungrades nahe an die eigene Potenz binden. Das tun Frauen nicht. In meiner Erfahrung sind es praktisch nur Männer, die mit verwegenen Finanztransaktionen untergegangen sind. Frauen haben natürlich auch ihre Geldphantasmen, aber die sind psychisch nicht so an ihre Überlebenskraft gekoppelt wie bei Männern.

SZ: Statistisch lässt sich schwer widersprechen, da der Finanzmarkt zum allergrößten Teil von Männern beherrscht wird. Immerhin aber sitzen bei der amerikanischen Zentralbank und beim IWF jetzt Frauen an wichtigen Schaltstellen.

Lewitscharoff: Kann sein, dass dies den maskulinen Zug des Geldbetriebs etwas aufweicht. Und es kann auch sein, dass Finanzgeschäfte traditionell in männlicher Hand waren und schon deshalb Aussagen über weibliches Finanzgebaren schwierig sind. Persönlich habe ich nur erlebt, wie eng bei Männern Finanzerfolg und erotisches Vermögen verknüpft sein können. Offenbar hängen Geld und Manneskraft zusammen. Frauen kommen, sagten mir Psychiater, eher wegen Liebeskummer in die Psychiatrie, Männer wegen Geldsorgen oder Geldwahn.

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