Weil bei der Bundestagswahl 2013 15,7 Prozent der Wählerstimmen nicht im Bundestag vertreten sind (fast sieben Millionen Stimmen), ist Kritik an der Fünf-Prozent-Klausel laut geworden. Joachim Käppner (SZ 30.9.13) zeigt, dass sie bleiben muss.
„Die Klausel hat sich bewährt. Sie verlangt von den Parteien nicht nur ein erhebliches Quorum an Stimmen, sie verlangt vielmehr eine ernsthafte Anstrengung, wirklich an der parlamentarischen Demokratie teilzuhaben. Sie ist der natürliche Feind aller One-Issue-Gruppierungen, an die sich dann die Protestwähler hängen. Sie möchte nicht, dass starrköpfige Regionalseparatisten, sich zur Rettung des Universums berufen fühlende Polit-Missionare oder D-Mark-Nostalgiker das Parlament als Bühne für ihre Einzelinteressen nutzen – es sei den, es gelingt ihnen, gut organisiert und überzeugend genug zu sein, eine größere Zahl von Wählern zu gewinnen, eben mindestens fünf Prozent.“
„Die erfolgreichen Neugründungen, die Grünen und später die Linke, waren stets viel breiter aufgestellt, sie verkörperten auf vielen Politikfeldern das Lebensgefühl eines Teils der Bevölkerung. Die Grünen standen in den Achtzigern vor allem für jenes vieler junger Menschen: Umwelt, Frieden, Gerechtigkeit, Bürgerrechte. Die heutige Linke vertritt mit Erfolg vor allem den Missmut früherer DDR-Bürger gegen echte und vermeintliche Zumutungen der neuen Zeit. Beide Parteien sind stark genug, die Sperrklausel nicht fürchten zu müssen, im Gegenteil, sie nutzt ihnen im Kampf gegen Konkurrenz von unten; beide schaden vor allem der SPD, während rechts von der Union nie ernsthafte Konkurrenz entstand.“