490: Albert Camus – eine neue Biografie von Iris Radisch

Von Albert Camus (1913-1960) und seiner Version der existenzialistischen Philosophie (Nobelpreis für Literatur 1957) haben wir gelernt, dass wir in einer vollständig sinnlosen Welt ohne Gott leben. Ganz allein. Auf uns selbst gestellt. Das Leben erscheint uns absurd. Und doch können wir selbst ihm einen Sinn geben. Wir sind fähig zu Freundschaft, Liebe, ja, wir können glücklich werden. In der Revolte. Gegen die schlimmen Zustände in unserer Umgebung und der Welt. Dabei gibt es nie eine endgültige und vollständige Lösung. Wir stellen uns Sisyphus, der immer wieder den Stein den Berg hinaufrollen muss, als einen glücklichen Menschen vor.

Camus‘ Version des Existenzialismus ist zutiefst humanistisch. Seine literarischen Vorbilder sind Hermann Melville und Franz Kafka. Er will auf Versöhnung hinaus (hat zur Versöhnung mit den Deutschen bereits im Zweiten Weltkrieg aufgerufen). Bekämpft Systeme und ihren Dogmatismus. Als Philosoph und Schriftsteller („Der Mythos von Sisyphus“ 1944, „Der Mensch in der Revolte“ 1951) war Camus der Antipode Jean Paul Sartres („Das Sein und das Nichts“), der in seiner Unbedingtheit mit seiner Version des Existenzialismus schließlich bei der Rechtfertigung des Stalinismus und der RAF-Terroristen endete.

Nun ist eine neue und lesenswerte Camus-Biografie erschienen:

Iris Radisch: Albert Camus. Das Ideal der Einfachheit (Rowohlt), 350 Seiten, 19,95 Euro.

Die Feuilleton-Chefin der „Zeit“ interpretiert Camus‘ Philosophie darin als Lob der Einfachheit (Volker Weidermann, FAS 29.9.13). Ausgehend von dem mittelmeerischen Leben in Algerien, dem Geburtsland Camus‘. Das Leben am Strand, in der Sonne, hell. Das Schwimmen und Kämpfen mit den Freunden. Das Genießen der einfachsten Freuden. Der junge Camus braucht kein Geld, um seine Bedürfnisse zu befriedigen. Das nennt Radisch „das orientalische Denken“. Bedürfnislos. In der Anpassung an die Natur. Die Kapitel ihres Buchs benennt sie ganz einfach mit „Der Sommer“, „Der Schmerz“, „Das Meer“, „Die Wüste“. Camus geht nach Frankreich. Er studiert an der Sorbonne und wird zunächst Journalist und Schriftsteller („Der Fremde“ 1942, „Die Pest“ 1947). In seiner klaren und knappen Sprache reflektiert Camus noch die Wortkargheit der Mutter und seines Herkunfts-Milieus. Sein autobiografischer Bericht „Der erste Mensch“ (1995) ist eine Hymne auf die Einfachheit und die Summe seines Werks.

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