485: Zwei Fragen an Marcel Reich-Ranicki und die Antworten darauf

Seit etwa zehn Jahren stelle ich mir im Oktober immer wieder die gleiche Frage: Warum ignoriert das Nobelpreiskomitee so beharrlich Philip Roth, obwohl er doch einer der würdigsten Kandidaten für den Nobelpreis wäre?

R.-R.: Das hätte ich auch gerne gewusst. Von Graham Greene wird er zählt, ihm sei der Nobelpreis verweigert worden, weil er mit der Frau eines Stockholmer Akademikers geschlafen habe. Mit wem hat nun der Philip Roth geschlafen? Wenn Sie das unbedingt wissen müssen, dann sollten Sie sich direkt an ihn oder seinen Agenten wenden. (2008)

Wodurch zeichnet sich Ihrer Meinung nach Georg Büchner aus?

R.-R.: Mit Büchner beginnt die moderne deutsche Literatur. Seine Werke führen zum Realismus, zum Naturalismus und zum Expressionismus ebenso wie zum epischen Theater, zum Theater der Surrealisten und zum Dokumentartheater. Büchner führt zu Gerhart Hauptmann, zu Frank Wedekind und zu Ödön von Horvath und schließlich zu Franz Kafka und Bertolt Brecht. Wolfgang Koeppen bekannte: ‚Georg Büchner war mir am deutschen Himmel immer der nächste von allen Sternen.‘ Er war der Dichter meiner Jugend, und er ist bis heute mein Dichter geblieben. (2011)

(FAS 22.9.13)

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