479: Erich Loest ist tot.

Erich Loest (geb. 1926) hat seinem Leben ein Ende gemacht. Der aus Sachsen stammende Romancier hat ein bewegtes und für seine Generation beispielhaftes Leben geführt. Als Schüler wollte er zur SS und trat in die NSDAP ein. 1947 wurde er Mitglied er SED. Bis 1950 war er Redakteur der „Leipziger Volkszeitung“. Seitdem Schriftsteller. 1957 wurde Erich Loest wegen „konterrevolutionärer Gruppenbildung“ zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er saß sie in Bautzen ab. Das war sein Kernerlebnis. Mit der DDR und deren Schriftstellerverband und mit der SED hat er sich letztlich nicht abgefunden. 1981 verließ er den Arbeiter-und-Bauern-Staat.

Im gleichen Jahr erschien seine vielsagende Autobiografie „Durch die Erde ein Riss“. 1990 wurde Erich Loest voll rehabilitiert. Er lebte seit 1998 wieder ganz in Leipzig. Erich Loest war im besten Sinne ein Unterhaltungsschriftsteller, der auch Kriminalromane schrieb und sich für sein Publikum tatsächlich interessierte. So erschienen 1953 seine „Sportgeschichten“. „Es geht seinen Gang oder die Mühen in unserer Ebene“ (1977) hat ihm die SED nicht verziehen. Erich Loest widmete sich seinem Landsmann Karl May mit „Swallow, mein wackerer Mustang“ (1980). 1991 erschien „Die Stasi war mein Eckermann“. 1995 „Nikolaikirche“, die auch im Fernsehen sehr erfolgreich war. Loests Tagebücher wurden 2011 unter dem Titel „Man ist ja keine achtzig mehr“ veröffentlicht.

Seine Erfahrungen mit der Diktatur nutzte Loest zu einer klaren und kompromisslosen Haltung aller Repression gegenüber. In seiner Tätigkeit beim VS, dem Schriftstellerverband der Bundesrepublik, kritisierte er den ihm zu lockeren Umgang mit der DDR. Nach 1990 sprach er sich gegen die Beibehaltung von DDR-Kunst aus. So lehnte er die Wiederaufstellung von Werner Tübkes „Arbeiterklasse und Intelligenz“ ab. Er kannte seine Pappenheimer und ihre Verstrickung in die kommunistische Diktatur.

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