Anlässlich von Botho Strauß‘ Essay „Der Plurimi-Faktor“ im „Spiegel“ stellt Volker Weidermann einen Vergleich an zwischen dem Prosa-Autor Botho Strauß und dem Essayisten Botho Strauß (FAS 4.8.13). Er fällt zu Ungunsten des Essayisten aus, von dem Weidermann sagt, dass er nicht schreiben kann.
„Der Essayist Botho Strauß und der Prosa-Autor gleichen Namens sind zwei Herren, die sich kaum kennen. Gut, sie leben offenbar beide in der Einsamkeit, sehen den Menschen in Filmen, im Internet und in der Wirklichkeit bei ihren verzweifelten Versuchen zu, Paare zu bilden oder sonst irgendwie in Gruppen zusammenzuleben. Die beiden Herren sprechen aber nicht die gleiche Sprache.“
Warum?
„Der wahre Grund ist eher, dass der Essayist Botho Strauß uns nichts zu sagen hat. … Es steht nichts drin in diesem Text, so oft man ihn auch liest. Nichts außer Verachtung für die Gegenwart, Verachtung für die Masse, Verachtung für das Theater, Windkrafträder, den totalen Konsens des Guten, Verachtung für Menschen, die vor Geschäften anstehen, ’sobald eine Preissenkung ruchbar wird‘, Verachtung für ärmere Menschen also offenbar. Nichts, was an die Stelle von all der Verworfenheit treten könnte. Nur wieder der alte Untergangszauber. Enttäuscht ist der Autor, dass der Epochenwandel, von dem seit mehr als zehn Jahren die Rede ist, in seinen Augen wieder nur die alte, immer gleiche Welt hervorgebracht hat. Immerhin spürt er ‚Vibrationen eines rumorenden Untergrunds‘, doch ist das noch keine echte Erschütterung. Wie herrlich waren da die früheren Zeiten: ‚Das Untergangsfeuerwerk bestand aus funkelnden Worten, das millenarische Gefühl (Hofmannsthal) verlangte nach Endzeit-Fete, dergleichen wiederholt sich nicht, Prognosen schläfern ein, doch lieber noch so eine rauschende Ballnacht des Geistes als noch eine Klimakonferenz.“
Und dann verteidigt Weidermann das demokratische Procedere und all die kleinen, banalen Schritte, die zu seinem Gelingen erforderlich sind. „Die Mühsal all der demokratischen Prozesse, der Konsensfindung, der unendlich schweren Suche nach Lösungen für all die Probleme der Gegenwart – wie lächerlich leicht ist es, das zu verachten und irgendeine ‚Ballnacht des Geistes‘ stattdessen zu fordern. Es hilft ja nicht.“
Weidermanns Thesen kommen dem sehr nahe, was ich denke.