Seit sie in Woody Allens „To Rome with Love“ spielte, ist Greta Gerwig ein Star. Die dreißigjährige Schauspielerin gehörte vorher zur New Yorker Filmbewegung „Mumblecore“ (No-Budget-Filme) und war die „Independent Queen“. Mit ihrem Partner Noah Baumbach, dem Regisseur von „Greenberg“, hat sie das Drehbuch zu „Frances Ha“ geschrieben, in dem sie auch die Hauptrolle spielt, eine Tänzerin mit Geldsorgen auf der Suche nach sich selbst. Antje Wewer hat Greta Gerwig für die SZ interviewt (27./28.7.13).
SZ: Seit sie in der Tragikomödie „Greenberg“ die Freundin von Ben Stiller gespielt haben, gehören Sie zum Establishment, richtig?
Gerwig: Na ja, der Film war mein Durchbruch, auf den ich allerdings warten musste. Nach den Dreharbeiten habe ich mich in Los Angeles in einem billigen Motel einquartiert und ging auf Jobsuche. Ich klapperte Castings ab, kassierte aber nur Ansagen, neun Monate lang. Dann schlug „Greenberg“ ein …
SZ: … und Sie wurden zu Woody Allens neuer Muse?
Gerwig: Nee. Das ist man doch erst, wenn Woody einen mehr als einmal besetzt hat.
SZ: Aber er kriegt jeden Star, den er will. Und gab trotzdem Ihnen, einer noch weithin unbekannten Independent-Schauspielerin, eine der Hauptrollen in „To Rome with Love“. Wie lief das ab?
Gerwig: Sein Producer bestellte mich in sein Büro und gab mir einen Part aus dem Drehbuch zu lesen. Ich schüttelte noch schnell Woodys kleine Hand, und schwupps, hatte ich die Rolle bekommen. Für mich der totale Wahnsinn. Eigentlich bin ich nur wegen Woody Allens Filmen nach New York gezogen, ich komme aus Sacramento. Woody wollte unlängst unbedingt „Frances Ha“ sehen und bekam natürlich vorab eine Kopie, die er sich in seinem privaten Kino ansah. Danach bekam ich eine E-Mail von ihm, in der stand, dass ihm der Film gut gefallen habe und dass er hoffentlich die Lorbeeren einfährt, die er verdient.
SZ: Wahnsinn.
Gerwig: Na ja. Ehrlich gesagt, bezweifle ich, dass Woody die Mail selbst geschrieben hat, soweit ich weiß, diktiert er alles, er hat nicht mal einen Laptop.
…
SZ: Was macht ein amerikanisches Kleinstadt-Mädchen von heute aus?
Gerwig: Im Grunde ihres Herzens ist sie konservativ. Sie will den Kleinstadtmief hinter sich lassen, kehrt aber immer wieder dorthin zurück. Besonders, wenn es ihr schlechtgeht. Erst als ich weg war aus Sacramento, habe ich gemerkt, wie mich das Kleinstadtleben geprägt hat. Die Leute dort arbeiten hart, sind nett zu ihren Nachbarn, bleiben verheiratet, leben nicht über ihre Verhältnisse und gehen zur Kirche. Und sie haben den Grundsatz verinnerlicht: Wenn ich die Kinder gleich richtig erziehe, brauche ich es später nicht noch einmal zu machen.
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