Wir wissen nun, dass seit Hans-Dietrich Genschers Zeiten als Innenminister in der alten Bundesrepublik flächendeckend unter Duldung und Förderung der Bundesregierung gedopt wurde (Boris Herrmann, SZ 17./18.8.13). Der Bericht der Humboldtuniversität Berlin („Doping in Deutschland von 1950 bis heute“) liegt den Beiratsmitgliedern des Auftraggebers vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) seit März 2012 vor. Im BISp-Beirat sitzen auch die DOSB-Vertreter Gudrun Doll-Tepper, Ingo Weiss und Olav Spahl. Sie durften ihrem Präsidenten Thomas Bach nichts sagen, weil sie eine Verschwiegenheitsklausel unterschrieben hatten. Thomas Bach weiß also nicht Bescheid. Wenn er auch sagte: „Es gibt nicht viel Neues im Vergleich zu dem, was bereits bekannt war.“ Hans-Dietrich Genscher hatte sich den 800-Seiten-Bericht kurzfristig auf dem „kleinen Dienstweg“ besorgt.
„In der alten Bundesrepublik wurde systematisch gedopt. Einige der einflussreichsten Sportmediziner haben über Jahrzehnte mit Doping experimentiert, und einige Politiker scheinen das zumindest geduldet zu haben. Neben Anabolika und Testosteron wurden in den Siebziger- und Achtzigerjahren auch schon die leistungssteigernde Wirkung von Wachstumshormonen, Insulin und Epo erprobt. Sportler wurden dabei zum Teil wie Versuchskaninchen benutzt, bekannte Nebenwirkungen ignoriert. Staatliche Organisationen haben diese Experimente aus Steuermitteln finanziert. Es steht ferner der Verdacht im Raum, dass Anabolika auch an Minderjährigen ausprobiert wurden. Nicht nur in diesem Zusammenhang sind offenbar brisante Akten verschwunden. Außerdem gibt es Indizien, dass positive Dopingtests bekannter westdeutscher Sportler von Kontrolleuren diskret entsorgt wurden.“
Thomas Bach kann das alles nicht wissen. Er will am 10. September zum IOC-Präsidenten gewählt werden. Und das IOC hat bekanntlich gar kein Interesse an Doping-Aufklärung. Die wäre nur geschäftsschädigend.
Nach einer Studie der Universität des Saarlandes dopen gegenwärtig 30 bis 35 Prozent der deutschen Spitzensportler. Eine Studie im Auftrag der Deutschen Sporthilfe ergab, dass 5,9 Prozent der Athleten Doping zugeben. 40,7 Prozent geben keine Antwort. Die Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) hat 2012 bei 8567 Trainingskontrollen acht (8) Sportler mit verbotenen Substanzen erwischt. Thomas Bach: „Wir haben Vertrauen in unsere Nada.“ Bach ist gegen ein Anti-Doping-Gesetz, wie es z.B. Frankreich und Italien haben. Er hat sich nicht für eine Opferrente für gedopte Sportler eingesetzt.