451: Tilman Moser erklärt uns, warum Angela Merkel bleibt.

„Das Mädchen aus dem Osten“ regiert uns als Bundeskanzlerin seit acht Jahren. Und der bekannte Psychoanalytiker Tilman Moser („Lehrjahre auf der Couch“, „Gottesvergiftung“) erklärt uns, warum sie Bundeskanzlerin bleibt (SZ 5.8.13). Das hat wenig mit Inhalten zu tun. Sondern damit, dass „ein halbes Volk“ so tiefe Bindungen an Angela Merkel hat, dass es in ihr die Gewähr für Ruhe und die gewünschte Kontinuität erkennt.

Für den Psychoanalytiker hat Merkel sogar einen „Vatermord“ begangen (an Helmut Kohl). Ihr werde ein Machtinstinkt zugesprochen, obwohl sie so wenig „offene Herrscherallüren“ zeige. Sie zwinge andere Völker in die Tugend des Sparens. „Sie erträgt ungerührt den Hass dieser Völker; sie ist sich sicher, dass Grausamkeit vor nationalem Leichtsinn rettet. Sie ist keine nur liebe Mutti. Man sieht ihr an, dass sie sich in der überhitzten Küche wohlfühlt. Sie hat die guten und harten Züge einer alleinerziehenden Mutter, die ihren Mann steht, auch wenn die Kinder mal Probleme machen.“ Angela Merkel scheue sich nicht, Ideen aus der roten und grünen Nachbarschaft zu übernehmen, als hätte sie nie anders gedacht.

„Die Psychoanalyse arbeitet mit dem Begriff der Übertragung. Frühe Konflikte, Sorgen und vor allem der Wunsch von Kindern nach Geborgenheit heften sich auf eine Figur, von der man Beständigkeit, Überblick, Kraft, Ausdauer erhofft. Sie, die Wissende, soll in Zeiten der Unsicherheit leiten, wo die eigene Orientierungsfähigkeit nicht mehr ausreicht und keine Ideologie oder Religion mehr eindeutige Antworten verspricht.“ Mit fast kindlicher Hingabe glaubten Merkels Anhänger, dass sie es schon richten werde.

„Nimmt man das Modell der politischen Regression ernst, dann spielen tiefere Mechanismen der Bindung, der Loyalität und der Sehnsucht nach Ruhe eine wichtigere Rolle als die Inhalte der Politik. Man lässt nichts mehr auf die Zentralfigur kommen, spaltet innere Zweifel ab, fühlt sich getragen von einer unerklärlichen Zuversicht in ihre Kraft und ihre Weisheit.“

Die Urmutter erscheine nicht als bedrohlich, verschlingend oder grausam. „Sie ist weise.“ Dazu kommt für Moser der kindliche Stolz auf das Bild von der „mächtigsten Frau der Welt“. „Wir werden sie wohl noch vier weitere Jahre behalten (müssen).“

Da hat Tilman Moser Recht. Ich werde hier trotzdem bis zur Bundestagswahl noch mehrfach auf die politischen Inhalte zu sprechen kommen. Wie Sie sich gewiss schon gedacht haben.

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