441: Thomas Braschs Gedichte erschienen

Thomas Brasch (1945-2001), mein Generationsgenosse, war ständig auf der Suche nach sich selbst. Die riesige poetische Kraft war als Kind jüdischer Emigranten in London geboren. In der DDR erhielt er eine klassische kommunistische Erziehung (einschließlich Kadettenanstalt in Naumburg), schrieb Theaterstücke, Gedichte, Prosa, er drehte Filme („Engel aus Eisen“ 1981). 1968 protestierte er gegen den Einmarsch der Warschauer Pakt-Staaten in die CSSR und wurde dafür zu Gefängnis verurteilt. Danach arbeitete er u.a. als Fräser im Berliner Transformatorenwerk „Karl Liebknecht“ in Oberschöneweide. Er hat mit Bettina Wegner und Katharina Thalbach zusammengelebt. Wir verdanken ihm so unvergessliche Werke wie

„Lovely Rita“ (1975),

„Vor den Vätern sterben die Söhne“ (1977),

„Kargo 32. Versuch auf einem untergehenden Schiff aus der eigenen Haut zu kommen“ (1977).

Thomas Brasch hat Shakespeare übersetzt. Nachdem er 1976 die Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus der DDR unterschrieben hatte, musste er den ostdeutschen Staat verlassen. Er lebte danach in West-Berlin. Alkohol und Drogen bestimmten zunehmend sein Leben. Von ihm wäre noch viel zu erwarten gewesen.

Nun sind erfreulicherweise in einer sorgfältigen Edition seine Gedichte erschienen:

Thomas Brasch: Sie nennen das Schrei. Gesammelte Gedichte. Herausgegeben von Martina Hanf und Kristin Schulz. Berlin (Suhrkamp) 2013, 1030 S., 49,95 Euro.

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