David Lynch ist immerhin der Regisseur von Filmen wie „Eraserhead“, „Dune – der Wüstenplanet“, „Wild at Heart“, „Blue Velvet“, „Twin Peaks“ und „Mulholland Drive“. Seit sieben Jahren hat er keinen Film mehr gemacht. In seiner neuen Produktion hat ihn Michael Saur für das SZ-Magazin (31.5.13) interviewt.
SZ: Sind Sie nostalgisch?
Lynch: Ich verspüre eine gewisse Sehnsucht nach den Fünfzigerjahren. Das Leben schien so optimistisch und hoffnungsvoll, die Autos sahen fabelhaft aus – und es war die Geburtsstunde des Rock’n Roll. In den Sechzigerjahren wurde das Leben dann düsterer.
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SZ: Haben Sie manchmal Angst, den Draht zum großen Publikum verloren zu haben?
Lynch: Von Zeit zu Zeit hat man einfach das Riesenglück, dass vielen gefällt, was einem selbst gefällt, wie zum Beispiel bei ‚Twin Peaks‘ oder ‚Blue Velvet‘. Das gelingt aber nicht immer. Am wichtigsten ist, dass man selbst seine Arbeit liebt.
SZ: Was für ein Gefühl haben Sie, wenn Sie heute ins Kino gehen?
Lynch: Es scheint, dass heutzutage alles billiger wird. Die Bilder sehen billiger aus, die Töne klingen schwächer. Wir leben in einer Wegwerfkultur.
SZ: Schlechte Zeiten für große Regisseure?
Lynch: Es gibt Menschen, die auch heute noch Regisseure wie Federico Fellini entdecken, die solche Filme sehen wollen und sich fragen, warum es die nicht mehr gibt. Große Filme werden immer ihr Publikum finden. Aber die meisten Leute sind eben ganz zufrieden mit dem anderen Zeug, nicht wissend, was sie versäumen.
SZ: Im Internet kursiert ein Clip, in dem Sie das IPhone als ‚fucking telephone‘ beschimpfen. Man könne darauf nicht ernsthaft Filme anschauen. Woher rührt Ihre Wut?
Lynch: Einige Filme, die kein großes Publikum finden, können durchaus zu hause vor dem Fernseher funktionieren. Aber sicher nicht auf einem Telefon. Da stimmt dann nichts mehr. Nicht der Sound, nicht das Bild, nicht die Umgebung. Man kann über einen Telefonbildschirm nicht in einen Film eintauchen.
SZ: Was unterscheidet den Fernseher von der großen Leinwand?
Lynch: Die Menschen sind einzeln toleranter, ein großes Publikum verzeiht nicht. Mit den Jahren habe ich gelernt, dass in einem Kino die Intelligenz des gesamten Publikums höher ist als die des Einzelnen, es entsteht ein kollektives Bewusstsein.
SZ: Das große Publikum irrt nie?
Lynch: Wenn zu viele Leute ein Werk nicht mögen, sollten Künstler das zumindest ernst nehmen.
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